KI-Anwendungen in der Wirtschaft stärken

Roboter hält sich Finger an den Kopf
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Im Prinzip handelt es sich um ein Computerprogramm, das maschinell lernen und Probleme lösen kann, die Intelligenz erfordern. Die Technik funktioniert immer nach der gleichen Logik: Die Entwickler speichern große Mengen an Daten – zum Beispiel Texte oder Bilder – in einem Programm. Die Künstliche Intelligenz (KI) kann darauf zurückgreifen, wenn sie Entscheidungen treffen muss: Sie vergleicht die aktuelle Situation mit den gespeicherten Informationen und berechnet, welche die richtige Reaktion ist. Mit jeder neuen gelösten Situation sammelt das Programm weitere Informationen, lernt somit dazu und kann immer besser reagieren – es wird also intelligent.

Die Potenziale für den Einsatz von KI sind in vielen Bereichen riesig und werden weiterwachsen. In der Industrie können Produktionsprozesse durch KI-Systeme optimiert werden, etwa durch vorausschauende Wartung. In der Medizin könnten intelligente Systeme bei Diagnose und Therapieauswahl unterstützen und im Finanzbereich verhindern sie Kreditkartenbetrug. Kurzum: KI ermöglicht gänzlich neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle.

Porträt von Felicitas von Bredow, Referatsleiterin Innovationspolitik beim DIHK Felicitas von Bredow, Referatsleiterin Innovationspolitik beim DIHK

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Obwohl das Interesse der Wirtschaft groß ist, haben dennoch viele Unternehmen Schwierigkeiten, die konkreten Einsatzmöglichkeiten in ihrem Geschäftsbereich zu überblicken. Hinzu kommen Rahmenbedingungen, die eher verunsichern als bestärken. Dazu zählen weitreichende Datenschutzbestimmungen und der schleppende Ausbau schneller Internet- und Mobilfunknetze ebenso, wie der Mangel an Spezialisten mit entsprechender Datenkompetenz. Auch die oftmals fehlende Akzeptanz von KI-Anwendungen bei Kunden und Geschäftspartnern spielen hierbei eine Rolle.

Umso wichtiger ist es, dass wir Schritt für Schritt vorankommen. Mit dem Ziel, einen Anwendungsschub zu erreichen, setzt sich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) – Dachverband der 79 IHKs – als Sprachrohr der deutschen Wirtschaft für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen ein: sowohl auf EU-Ebene als auch auf Landes- und Bundesebene. Im Februar 2020 hat die EU-Kommission ihr „Weißbuch zur Künstlichen Intelligenz – ein europäisches Konzept für Exzellenz & Vertrauen“ veröffentlicht. Das Weißbuch skizziert die politischen Optionen, mit denen die Kommission die Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz in Europa stärken will. Der DIHK hat in dem Fall die Inhalte des Weißbuchs aufbereitet und über die IHKs Stimmungsbilder der Unternehmen vor Ort eingesammelt. Die Rückmeldungen der Unternehmen hat der DIHK anschließend zusammengeführt und eine ausgewogene Stellungnahme verfasst, die auch Mindermeinungen berücksichtigt. Diese wurde bei der EU-Kommission eingereicht.

Zentrale Forderungen sind die Stärkung der anwendungsorientierten Forschung, Anlaufstellen für Unternehmen, die über den angestrebten Rechtsrahmen oder die Dokumentationspflichten informieren können, sowie die rasche Verbreitung der Wissensbasis über Lehrangebote zur Befähigung von Studenten, Azubis und Mitarbeitern. Auch das Testen und Experimentieren mit KI-Technologien durch eine temporär und örtlich begrenzte Lockerung von bestehenden Regularien (Reallabore) oder durch sogenannte Sandboxes – isolierte, von der Systemumgebung abgeschottete Bereiche, in denen sich Software geschützt ausführen lässt – sollte erleichtert werden.

Um die Stimmungsbilder der Unternehmen zu verbreiten, schreibt der DIHK Positionspapiere, nimmt Stellung zu Gesetzesvorhaben der Regierung und führt Gespräche mit Ministerien und Abgeordneten. Der Einsatz für eine bessere digitale Infrastruktur, gut ausgebildete Fachkräfte und eine innovationsfreundliche Gesetzgebung prägen unseren Alltag.

Kostenlose Unterstützungsmöglichkeiten gibt es viele. Dennoch ist es nicht leicht, die passenden zu finden. Als erste Anlaufstelle für Unternehmen können die IHKs zu den richtigen Ansprechpartnern, beispielsweise bei den Mittelstand 4.0 Kompetenzzentren, lotsen oder einen Überblick über Fördermöglichkeiten geben – sowohl persönlich als auch virtuell. Auf der Online-Landkarte Wirtschaft digital finden sich alle Anlaufstellen, Testzentren und Förderprogramme zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz in Ihrer unmittelbaren Nähe.

Auch in der Weiterqualifizierung der Belegschaften sind wir aktiv. Derzeit bieten wir z. B. unter Schirmherrschaft des Bundeswirtschaftsministeriums den kostenlosen deutschen Onlinekurs „Elements of AI“ an, um die Kenntnisse der Technologie in die Breite der Belegschaften der Betriebe zu tragen.

Neuer Arbeitskreis: Maschinelles Lernen

Kosten reduzieren, Effizienz steigern, neue Geschäftsmodelle entwickeln: Um die Mehrwerte des Maschinellen Lernens und die Möglichkeiten zur Anwendung im eigenen Unternehmen geht es beim neuen Arbeitskreis „Maschinelles Lernen im Produktionsumfeld. Kurz & Klar“. Ziel ist es, konkrete Ideen zur Hebung von ungenutzten Potenzialen aufzuzeigen.

Dafür stellen die Initiatoren –die Leuphana Universität Lüneburg, die IHK Stade für den Elbe-Weser-Raum und unsere IHK Lüneburg-Wolfsburg – eine umfangreiche Palette an möglichen Anwendungen des Maschinellen Lernens vor. Gemeinsam diskutieren die Teilnehmenden die Anwendungen dann in Bezug zu bereits etablierten Lösungen und den verfügbaren Ressourcen im Mittelstand.

Der Startschuss für den neuen Arbeitskreis fällt bei einer Videokonferenz am Dienstag, 22. September, 17 bis 18 Uhr. Die Teilnahme ist kostenfrei, weitere Informationen und Anmeldung unter ihk-lueneburg.de/maschinelles-lernen oder über den QR-Code direkt auf der Leuphana-Website. red