Kunst und Kultur im Dialog mit der Wirtschaft

Porträt von Dr. Annika Wilkening
Foto: ihk/tonwert21.de
Dr. Annika Wilkening, Leiterin des IHK-Bereich Marketing und Kommunikation, engagiert sich im Arbeitskreis KulturKontakte.

KulturKontakte wird 18. Ein spannendes Alter – den Kinderschuhen entwachsen und dennoch genug Schalk im Nacken, und voller Vorfreude auf das, was kommt. Den Kopf voller Ideen, Neugier und Lust darauf, den Horizont zu erweitern. Für all das stehen die KulturKontakte von Beginn an.

Kulturförderung in ganz Niedersachsen

KulturKontakte ist eine Gemeinschaftsinitiative des Amts für regionale Landesentwicklung Lüneburg, der IHKs Lüneburg-Wolfsburg und Stade für den Elbe-Weser-Raum sowie der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Das Konzept, ursprünglich für den ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg gedacht, bezieht inzwischen unternehmerische Kulturförderung in ganz Niedersachsen mit ein. Und der KulturKontakte-Preis ist eine Auszeichnung, die der niedersächsische Wirtschaftsminister verleiht.

Vorteile für Unternehmen

Dabei ist das Ziel auch nach 18 Jahren aktueller denn je: Den Kulturkontakte-Initiatoren geht es darum, Kultur und Wirtschaft in einen Dialog zu bringen und zu motivieren, neue gewinnbringende Partnerschaften einzugehen. „Wenn es KulturKontakte nicht schon gäbe, müsste man die Initiative heute gründen“, hat mein Kollege Martin Exner an dieser Stelle einmal geschrieben Und er hat recht.

Denn an der Ausgangslage hat sich kaum etwas geändert: Heute wie damals stehen die kommunalen Ausgaben für freiwillige Leistungen, also auch für Kunst- und Kulturförderung, auf dem Prüfstand. Heute wie damals steht die Frage nach alternativen Finanzierungsquellen, also auch nach einer stärkeren Beteiligung der Wirtschaft, im Raum. Dass dabei aus Sicht unserer IHK Kulturförderabgaben nicht die richtigen Antworten sind, ist bekannt – und von der Unternehmerschaft bestätigt. Gleichzeitig haben viele, vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, noch nicht die Vorteile und Möglichkeiten der Kunst- und Kulturförderung erkannt.

Es gibt nur Gewinner

Dabei gelten die Argumente nach wie vor: Für das unternehmerische Engagement spricht, ein positives Image in der Öffentlichkeit zu schaffen oder zu verbreiten, ein Alleinstellungsmerkmal im Verhältnis zum Wettbewerb zu entwickeln und eine stärkere Bindung von Kunden und Mitarbeitern zu erreichen. Die Förderung kultureller Bildung kann dazu beitragen, Kreativität und Kommunikationsfähigkeit der Beschäftigten zu steigern und Reichweite zu erlangen. Diese vielfache Win-Win-Situation zu verdeutlichen ist eines der Grundanliegen des KulturKontakte-Preises.

Gleichzeitig wurden in den vergangenen Jahren die kulturellen Einrichtungen professionalisiert. Viele haben die Vereinbarkeit mit touristischen Zielen im Blick – um gemeinsam mit den Unternehmen einen Mehrwert zu generieren.

Kultur als Standortfaktor – Moin Ostfriesland

Im Wettbewerb der Regionen, insbesondere zwischen städtischen und ländlichen Räumen, steigt der Einfluss von Kunst und Kultur auf die erfolgreiche Bindung von Fachkräften. Qualifizierte Mitarbeiter wird man nur dann dauerhaft in einer Region binden können, wenn auch das kulturelle Angebot stimmt.

Das hat auch das Kulturland Ostfriesland erkannt, das in diesem Jahr Partner der KulturKontakte ist. Eine tolle Chance und eine große Freude, denn die Ostfriesische Landschaft zählt mit ihren 555 Jahren zur ältesten (Stände-) Vertretung Deutschlands und vertritt die Belange aller Ostfriesinnen und Ostfriesen. Sie bewahrt das kulturelle Erbe der Region und ist heute eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit ihren Aufgaben in Kultur, Wissenschaft und Bildung.

Der Kultur-Kontakte-Preis

Den größten Effekt auf die unternehmerische Bereitschaft, sich für Kunst und Kultur zu engagieren, dürfte der KulturKontakte-Preis selbst haben. Für die ausgezeichneten Unternehmen bedeutet er einen Imagegewinn und Strahlkraft als Best-Practice-Beispiel. Die Preisträger zeigen die Vielfalt der Förderung und die Möglichkeiten jenseits der direkten finanziellen Zuwendung und unabhängig von der Unternehmensgröße. Für die Preisvergabe zählt der Gesamteindruck der Kulturförderung. Entscheidende Kriterien für die Jury aus Vertretern der Wirtschaft, Kultur und der Träger sind die Originalität des Förderansatzes, Kontinuität, die Einbindung der Mitarbeiter und die Verankerung des Engagements in der Firmenphilosophie.

Engagement eröffnet neue Horizonte

Was wünscht man also zur Volljährigkeit der Initiative KulturKontakte? Einerseits, dass das unternehmerische Engagement in Kunst und Kultur noch mehr den Weg in die Öffentlichkeit findet. Andererseits, dass Kulturförderung Ausdruck einer erklärten gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen wird. Denn es gibt noch viel brachliegendes Potenzial, so viele Unternehmen, die aus dem Dialog mit Kunst und Kultur Nutzen ziehen könnten. Diese Unternehmen für ein Engagement für Kunst und Kultur zu begeistern, bedarf Ausdauer – ist aber auf Sicht durchaus erfolgreich und eine große Chance. Für die ländlichen Räume, die vor den Herausforderungen des interregionalen Wettbewerbs und der demografischen Entwicklung stehen. Und für die Unternehmen und Kulturschaffenden, die vom öffentlichen Diskurs und dem gegenseitigen Erweitern der Horizonte profitieren. Wenn das kein vielversprechender Ausblick ist.