Jetzt erst recht: Lebendige Zentren stärken

Porträt Volker Linde.
Foto: ihk/tonwert21.de
Volker Linde vertritt als Leiter des IHKLW-Bereichs Standort- und Politikberatung die Interessen der regionalen Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung.

Jedes Jahr im September ruft unsere IHKLW zum „Heimat shoppen“ auf. In diesem Jahr aber ist die Botschaft der Aktion zur Stärkung des stationären Handels aktueller und dringender denn je, zählt doch der Handel zu den Branchen, die durch den coronabedingten Lockdown besonders gravierende Umsatzeinbußen verzeichnen.

Umso wichtiger wäre es, dass die Branche jetzt jede Gelegenheit nutzen kann, um einen Teil der Einnahmeverluste wieder wett zu machen. Verkaufsoffene Sonntage wären eine solche Gelegenheit. Umso mehr enttäuscht die Diskussion, die der „Runde Tisch Sonntagsöffnungen“ unter Führung des Wirtschaftsministeriums im Juli geführt  hat. Denn der Anlassbezug bleibt als Bedingung für die möglichen vier verkaufsoffenen Sonntage in Niedersachsen bestehen, wenngleich die notwendigen besonderen Anlässe wie Messen und Märkte deutlich kleiner ausfallen dürfen, als es seit der Gesetzesänderung 2019 gefordert. Nordrhein-Westfalen zeigt, wie es besser geht: Dort können Kommunen bis Jahresende vier Sonntagsöffnungen ohne Anlassbezug realisieren.

Unabhängig davon aber braucht es auch langfristig eine nicht interpretationsabhängige klarere Definition des Gesetzgebers, wann Sonntagsöffnungen zulässig sind. Diese müsste so klar sein, dass nicht – wie es in der Vergangenheit häufig der Fall war – Gerichte entscheiden müssen, was geht und was nicht. Denn das führt zwangsläufig immer zu komplizierten Verfahren und trägt zu mehr und nicht zu weniger Bürokratie bei.

Fest steht: Der Handel braucht in diesen Zeiten mehr denn je den Rückenwind aus der Politik. Das IHKLW-Ideenpapier „Handel(n) in Zeiten von Corona“ bündelt darüber hinaus auch Vorschläge, um selbst aktiv zu werden. Und natürlich haben sich die Akteure vielerorts längst auf den Weg gemacht. Einige Beispiele stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe von Unsere Wirtschaft vor. Werfen Sie einen Blick auf die sehr aktiven Heimat-shoppen-Akteure aus Walsrode und nach Bad Bevensen, wo Stadtentwicklung und Tourismus Hand in Hand gehen. Welche Möglichkeiten Virtual und Augmented Reality für Handel und lebendige Innenstädte bieten, verrät Experte Tim Mittelstaedt im Interview.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und bin mit meinem Team bei Fragen rund um die Themen Stadt- und Regionalentwicklung gern für Sie da.