Logistik – einfach digital

Foto Blick von oben auf ein Gebäude vor dem Lkw stehen.
Foto: Thies Rätzke/Uelzena
Das Hochregallager der Uelzene in Uelzen ist 37 Meter hoch und bietet 13.000 Palettenstellplätze in verschiedenen Höhenklassen bei vollständig automatisierten Lagerungsprozessen.

Digitale Logistik bei der Uelzena eG in Uelzen: Um Wartezeiten für die Fahrer der täglich rund 40 abzufertigenden Lkws gering zu halten, hat das Unternehmen ein webbasiertes Zeitfenstermanagementsystem eingeführt.

„Wir haben von Anfang an versucht, die Prozesse aus der Sicht eines Lkw-Fahrers zu sehen und diese in die Entscheidung einzubinden. Was ist für sie wichtig in der Praxis – und welche Erwartungen haben die Fahrer, Spediteure und auch der Verlader?“, sagen Florian Otto, Leiter des Projekts „Einführung eines Yard-Zeitfenstermanagementsystems“, und Lagerleiter Robert Dömland. Und noch eine Sache spielte eine entscheidende Rolle: „Es war allen klar, dass die Lkw-Zuflusssteuerung künftig automatisch ablaufen soll. Und genau hierfür galt es, die für uns passende Lösung zu finden“, fährt Florian Otto fort. Die Wahl fiel schließlich auf das System Slot des Anbieters Cargoclix.

Florian Otto (l.) und Robert Dömland am Cargoclix-Check-In-Terminal, über das sich die Lkw-Fahrer bei Ankunft in der eigenen Landessprache registrieren können.

Foto: Uelzena

Wer bei Uelzena ein Zeitfenster zur Anlieferung oder Abholung von Waren buchen möchte, hat mit einem Vorlauf von zwei Wochen die Gelegenheit dazu. Doch auch spontane Buchungen sind möglich – bis zum Vortag um 16 Uhr. Das gibt den Uelzena-Mitarbeitern die Möglichkeit, ausreichend Zeit für die Abfertigung der jeweiligen Fahrzeuge einzuplanen.

Geplante Zeitfenster für Lieferungen 

„Die Planung von Zeitfenstern entlastet die Mitarbeiter, vor allem in der Prime-Time am Montag. Die Fahrzeuge kommen nicht mehr so geballt wie früher“, erklärt Robert Dömland. Die detaillierte Abbildung aller Prozesse sorge für gezieltere Planungsmöglichkeiten, auch für die „Dispo-Teams“. Sie profitieren von deutlich transparenteren Prozessen und können bei Bedarf effektiv agieren. Und wenn doch mal ein Lkw ohne Voranmeldung in Uelzen eintrifft? „Dann haben die Lkw, die einen Slot angemeldet haben, natürlich Vorrang – doch auch für die anderen finden wir irgendeine Lücke“, sagt Florian Otto.

Die Kosten in Höhe von 50 Cent pro Zeitfensterbuchung übernimmt Uelzena selbst. Die Entscheidung, diese nicht an die Logistikdienstleister weiter zu berechnen, wurde ganz bewusst getroffen. „Es ist uns wichtig, hiermit ein Signal zu setzen. Wir wollen mit dem Einsatz des Systems die Speditionsdienstleister nicht knebeln oder gar bei nicht termingerechter Lkw-Gestellung ein Argument für extralange Wartezeiten schaffen. Ziel ist es, gemeinsam von den Vorteilen dieses Systems zu profitieren und einen schlanken Be- und Entladeprozess zu schaffen“, sagt Projektleiter Otto.

Dieser Ansatz hat vermutlich mit dazu geführt, dass das System von allen Beteiligten von Anfang an sehr gut angenommen worden ist. „Uns war bewusst, dass wir mit Slot in der Praxis keine 100-prozentige Buchungsquote erreichen werden, denn dafür ist das Tagesgeschäft mit seinen unterschiedlichen Geschäftspartnern und den Unternehmen zu vielfältig“, zieht Otto Bilanz. „Wir erreichen heute dennoch eine so gute Quote, dass unangemeldete Lkw die Ausnahme bleiben.“

System ist an mehreren Standorten integriert

Bereits seit 2019 wickelt die Uelzena Gruppe die Logistik hauptsächlich über unternehmenseigene Lager an den Werksstandorten in Uelzen, Ratzeburg, Bismark und Warmsen ab. Die Nutzung externer Lagerflächen konnte deutlich minimiert werden. Neben Uelzen ist auch der Standort Ratzeburg mit rund zehn abgefertigten Lkw pro Tag an das Zeitfenstermanagementsystem Slot angeschlossen, weitere Standorte sollen folgen. „Wir sind immer dabei, das System für unsere Belange anzupassen und zu erweitern“, macht Otto deutlich.

In Uelzen wurde 2017 ein neues Hochregallager gebaut, das 2019 in Betrieb genommen wurde. Das 37 Meter hohe Gebäude bietet 13.000 Palettenstellplätze in verschiedenen Höhenklassen bei vollständig automatisierten Lagerungsprozessen.

Drei Lagerbereiche werden dort seit 2019 über Cargoclix abgebildet: das Trockenlager, die sogenannte „Halle Nord“ mit drei Rampen für den In- und Outbound von Trockenerzeugnissen, das Kühlregallager mit zwei Rampen für sämtliche kühlpflichtige Artikel und das Hochregallager mit sechs Rampen, in dem sich Roh- und Fertigwaren, sowie Verpackungsmaterialien befinden.

Lkw-Fahrer checken in ihrer Landessprache ein

Werden hier Waren angeliefert oder abgeholt, muss man sich dazu vor Ort über das Cargoclix-Check-In-Terminal in der eigenen Landessprache registrieren. Der Check In-Container befindet sich gut sichtbar direkt hinter der Einfahrt auf das Gelände. „Wir wollen den Ablauf für die Fahrer hier bei uns so einfach wie möglich gestalten“, betont Otto.

Durch die Einführung des Zeitfenstermanagementsystems ist es Uelzena gelungen, die Wartezeiten an der Rampe auf ein Minimum zu reduzieren. Und falls es doch mal dazu kommt? „Dann gestalten wir diese Wartezeit für die Fahrer so angenehm wie möglich“, sagt Otto. Ob kostenlose Duschmöglichkeiten, moderne Sanitäranlagen oder vergünstigte Getränke und Snacks – für die Uelzena-Gruppe habe das Wohl der Fahrer einen besondere Stellenwert, so Otto.