Raus aus der Krise, gemeinsam Lösungen entwickeln

Eine Illustration zeigt Menschen, die an Tischen vor Computerbildschirmen sitzen. Über Ihnen bildet sich eine Wolke mit verschiedenen Symbolen wie Glühbirnen, Dreiecken und Kreisen.
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#ManythingGoes: Am 12. und 13. Juni entwickeln Bürger, Wissenschaftler, Unternehmen und Studierende beim Lüneburg-Hackathon gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen infolge der Corona-Pandemie.

Porträt Prof. Dr. Markus Reihlen Leuphana-Vizepräsident Prof. Dr. Markus Reihlen freut sich auf kreative Ideen und Konzepte.

Foto: Leuphana Universität Lüneburg

Herr Professor Reihlen, beim Lüneburg-Hackathon sollen Lösungen für die Herausforderungen infolge der Corona-Pandemie entwickelt werden. Worum geht es genau?
Markus Reihlen: Im Grunde geht es darum, dass wir handlungsfähig bleiben. Ohne Zweifel stellt die Corona-Pandemie uns in vielen Bereichen vor Herausforderungen – nicht nur vor finanzielle. Im Bereich Bildung erleben alle Hochschulen große Herausforderungen. Der Leuphana ist es innerhalb von drei Wochen gelungen, ihren Campus und den Universitätsbetrieb in die digitale Welt zu transformieren. Dadurch konnte das Sommersemester für alle Studierenden planmäßig am 6. April beginnen, Forschung und Kooperationen bestmöglich unterstützt werden sowie die Verwaltung und die Serviceeinrichtungen ihre Aufgaben wahrnehmen. Mit dem gezielten Einsatz eines universitätsübergreifend partizipativen Krisenmanagements konnte die Corona-Krise in eine Chance für die digitale Transformation verwandelt werden. Wie auch andere Organisationen die Situation für eine digitale Transformation nutzen können, wollen wir mit dem Hackathon herausfinden und sind überzeugt, dass uns das gemeinsam gelingen wird. Ganz nach dem Motto #ManythingGoes.

Es geht darum, die Situation zu analysieren, Stärken herauszuarbeiten und darauf aufbauend Lösungen zu finden.

Es soll auch um wirtschaftliche Fragestellungen gehen. Herr Kirschenmann, wie ist die Lage in der regionalen Wirtschaft?
Andreas Kirschenmann:
Die Kontaktverbote, Nachfrageausfälle im In- und Ausland, unterbrochene Lieferketten und die Verunsicherung von Investoren und Auftraggebern haben in der regionalen Wirtschaft tiefe Spuren hinterlassen. Viele Unternehmen sind stark betroffen, weil Kosten weiterlaufen und Umsätze ganz oder zum großen Teil ausbleiben. Laut einer Umfrage unserer IHKLW aus Mai ist trotz erster Lockerungen der Corona-Auflagen bei mehr als 50 Prozent der Befragten die Kundenfrequenz um mindestens die Hälfte gesunken, fast 23 Prozent der 1.100 Befragten erwarten einen Umsatzrückgang um mehr als 25 Prozent, ein Drittel davon sogar einen Rückgang um mehr als 50 Prozent.

Andreas Kirschenmann IHKLW-Präsident Andreas Kirschenmann appelliert an Unternehmen, sich bei Hackathon einzubringen.

Foto: privat

Die regionale Wirtschaft befindet sich also in einer konjunkturellen Krise. Sehen Sie Auswege?
Kirschenmann:
Es gibt viele kreative Unternehmen, Konzepte und Ideen, auch digitaler Art, die unglaublich viel Mut machen. Auch das Thema Digitalisierung erlebt plötzlich eine ungeahnte Dynamik. Homeoffice, digitale Info- und Veranstaltungsformate, wir lernen alle täglich dazu. Daran wollen wir mit dem Hackathon anknüpfen. Jede Krise bringt auch neue Handlungsoptionen mit sich. Es geht darum, die Situation zu analysieren, über den Tellerrand zu blicken, Stärken herauszuarbeiten und darauf aufbauend Lösungen zu finden. Wir sind überzeugt, dass das gelingt, denn bei dem Hackathon werden viele Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenkommen: Unternehmerinnen und Unternehmer, Bürger und Bürgerinnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Studierende. Dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen zusammenarbeiten, zeigt auch der Ansatz des Design Thinkings, der in vielen Unternehmen sehr gut funktioniert.

Es geht aber nicht allein um wirtschaftliche Herausforderungen. Professor Reihlen, in welchen Themenbereichen können die Teilnehmenden sich einbringen?
Reihlen:
 Wir sind dabei recht offen, weil wir den kreativen Prozess so wenig wie möglich begrenzen möchten. Grobe Kategorien sind neben krisenfesten Geschäftsmodellen die Zukunft der Arbeit und Modelle neuen Arbeitens, die Gesundheitsversorgung, Bildung und Ausbildung in Schule, Hochschule und Unternehmen ebenso wie Kunst und Kultur sowie das nachhaltige, umweltbewusste Leben in der Region Lüneburg.
Kirschenmann: Bisher eingereicht wurden Challenges zu digitalen Alternativen zu Kundenbindungsevents, zur Retourenminimierung in der Mode-Industrie und zum Aufbau eines guten internen Wissensmanagements. Genauso kann es aber auch darum gehen, wie man digitale Bildungsangebote besser aufstellt oder wie eine bessere Verzahnung des stationären Handels mit Online-Angeboten gelingt – was ja wiederum Auswirkungen auf die Stadtentwicklung hat. Mit dem Hackathon geben wir Unternehmerinnen und Unternehmern die Gelegenheit, ihre Herausforderungen einem breiteren Publikum zu präsentieren. Ich freue mich, wenn viele diese Chance nutzen.

Je mehr unterschiedliche Menschen sich zusammenfinden, desto innovativer die Ideen.

Wie werden die Teilnehmenden zusammenarbeiten?
Reihlen:
 Eine Herausforderung – wir nennen es Challenge – kann man als sogenannter Challenge-Pate oder -Patin einreichen. Als Hackerin und Hacker entwickeln die Teilnehmenden die entsprechenden Lösungen. Ihnen stehen dabei Mentorinnen oder Mentoren zur Seite, die durch ihre Expertise fachlichen Input liefern können – beispielsweise zu Organisation und Management, Digitalisierung, Tourismus, Marketing oder Bildung. Wichtig ist: Man muss vorab weder ein Team stellen noch ein Thema einreichen, das organisieren wir zu Beginn des Hackathons. Je mehr unterschiedliche Menschen sich zusammenfinden, desto innovativer die Ideen.

Der Hackathon findet online statt, welche Voraussetzungen brauchen die Teilnehmenden?
Reihlen:
 Neugier und Offenheit. Technisch sollten sie über einen Computer mit Internetzugang und – soweit möglich – mit Kamera verfügen, damit sie die anderen Teammitglieder in den Meetings sehen können. Der Leuphana Kooperationsservice stellt den Teilnehmenden die übergreifende Infrastruktur und mit Zoom und Stackfield zwei Tools zum Austausch zur Verfügung. Die Sessions werden moderiert, sodass eine zielführende Koordination gewährleistet ist. Ziel ist nicht ausschließlich die Entwicklung von konkreten Produkten, sondern auch interessante Konzepte oder neue Prozesse können Ergebnisse sein.