Mehr Holz in die Hütten

Richard Kausche und Brigitte Kausche
Foto: ihk/Frank Bierstedt

Es sind ganze Straßenzüge der Wohnungsbaugesellschaft Neuland, es sind Feuerwehrhäuser, Kirchen und Schulen. Es ist der königliche Bahnhof Fallersleben von 1870 genauso wie das Einfamilienhaus im Neubaugebiet: Horst Hendrik Kausche kann unmöglich vollständig aufzählen, an welchen Gebäuden die Zimmerei Kausche beteiligt war und ist. Das liegt nicht nur an der guten Auftragslage im Bausektor, sondern ebenso an der eindrucksvollen Geschichte des Unternehmens. Die Zimmersleute aus Fallersleben haben die Stadt Wolfsburg mit aufgebaut –  ganz wörtlich. Die Wurzeln reichen sogar noch weiter zurück:  Seit 1844 ist Kausche die Adresse für Zimmerarbeiten in der Region.

Eingangsbereich Holzbau Kausche„Wir haben hier einen Namen“, sagt Seniorchefin Brigitte Kausche und fasst damit 175 Jahre in einem Satz zusammen. Dieser Name steht für exzellentes Handwerk genauso wie für starke Persönlichkeiten. Angefangen mit Firmengründer Heinrich Kausche, der als Senator und Maurermeister im 19. Jahrhundert das Gesicht des Amtes Fallersleben mitprägte. Sohn Richard wechselte das Gewerk und eröffnete als Zimmermeister ein Sägewerk. Auch das gehöre zur Tradition, sagt Brigitte Kausche stolz: „Alle haben studiert und alle sind Handwerksmeister.“ Das gilt auch für Zimmermeister und Bauingenieur Horst Hendrik Kausche, der 1995 übernahm und folglich sagt: „Mein Beruf wurde mir in die Wiege gelegt.“ Die war vermutlich auch aus Holz. Die Faszination für den ältesten aller Baustoffe ist bei dem 54-Jährigen ungebrochen: „Man kann mit Holz sehr kreativ arbeiten, es bietet unendlich viele Möglichkeiten.“ Fachwissen und Erfahrung steckt er besonders gern in die Sanierung historischer Bausubstanz, etwa in das alte Torschreiberhaus von Fallersleben, das nun wieder in voller Pracht erstrahlt.

Holz ist schon lange nicht mehr einfach Holz. „Früher bekamen wir einfache Bretter und Kanthölzer, die nach besser oder schlechter sortiert wurden. Heute gibt es eine Riesenvielfalt an Sorten, fertig konfektioniert und mit minimaler Restfeuchte.“ Entsprechend hat sich auch die Fachhandlung weiter entwickelt: Kunden finden hier Bodenbeläge von Parkett bis Kork, alles aus Holz für den Garten und Produkte für die Holzbehandlung. Seit den neunziger Jahren hatte maßgeblich Brigitte Kausche den Handel ausgebaut. Dabei legte sie hohen Wert auf die exzellente Ausbildung der Einzelhandelskaufleute und engagierte sich nebenbei 20 Jahre in der Prüfungskommission unserer IHK.

Richard und Brigitte Kausche vor Kausche-LieferwagenDie Auswahl werde immer vielfältiger, die Ausstellung jedes Jahr etwas größer, die Kunden anspruchsvoller, sagt Kausche. Die Kombination von Handel und Handwerk hält er nach wie vor für ideal: „Es befruchtet sich gegenseitig.“  Heißt: Wer sein Haus mit Kausche gebaut hat, der ordert hier auch gleich den Gartenzaun, den Carport oder das Spielgerät für den Garten.

Die Zeiten sind gut für Handwerker, die Auftragsbücher auch bei Kausche voll. „Unser Problem ist eher die Suche nach Fachpersonal und nach Auszubildenden, die mit den Anforderungen zurechtkommen“, sagt der Chef von 14 Beschäftigten. Was den Fachmann dagegen freut, ist die Renaissance des alten Baustoffs. „Das Umweltbewusstsein bei den Kunden ist deutlich gestiegen“, sagt Kausche. Ob es um die Klimabilanz, die Energieeinsparverordnung oder um wohngesundes Bauen gehe: „Holz schlägt viele andere Baustoffe, da kommt Stein nicht mit.“

Blick in das Unternehmen Holzbau KauscheDer Meister weiß, dass er sich auf den Verdiensten der Vorfahren nicht ausruhen kann. Baumärkte und der Internethandel seien eine starke Konkurrenz, sagt er: „Halbherzig geht das hier nicht. Man muss sich schon zu 100 Prozent reinhängen.“ Klingt fast schon wie ein Rat an Nummer sechs in der Generationenfolge: Lukas Kausche (23) steckt im Studium zum Holzbauingenieur. Kausche und Holz – das bleibt also eine feste Verbindung.