Mehr Power für die Bio-Bauern

Sinjo Neitsch und Reenie Vietheer hocken vor einem Rapfeld und halten Pappschilder mit der Aufschrift
Foto: Embauerment
Sinjo Neitsch und Reenie Vietheer aus Buchholz i.d.N. wollen mit ihrer Gründungsidee "Embauerment" den Öko-Landbau fördern. Mit ins Boot geholt haben sie für ihr Crowdfunding-Projekt den Hof Wendland Ziege aus Clenze.

Als Reenie Vietheer und Sinjo Neitsch in Spanien Plantagen mit Patenschaften für Bio-Orangenbäume kennenlernten, kamen sie auf eine Idee: Warum nicht in unserer Region etwas Ähnliches machen? Knapp zwei Jahre später steht das Paar kurz vor der Realisierung. Die Buchholzer bauen eine Online-Plattform auf, über die sich Verbraucher und Landwirte zusammentun können. Die Finanzierung stemmen sie über Crowdfunding. Ihr Ziel: mehr Ökolandbau.

 „Wir wollen Landwirte unterstützen, von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft umzustellen“, sagt Reenie Vietheer. Denn davon gibt es nach Ansicht der beiden Gründer in Deutschland noch viel zu wenig, nur rund zehn Prozent aller Flächen werden ökologisch bewirtschaftet.

Doch die Umstellung von konventionell auf bio ist schwierig und kostet Geld. Vietheer (32) und Neitsch (37), Ingenieure für Erneuerbare Energien, greifen zurück auf das Prinzip des Empowerments, also der Stärkung des eigenen Handelns, und taufen ihr Projekt „Embauerment“. Soll heißen: Bauern werden in ihrem Vorhaben ideell und finanziell gestärkt.

Für 50 Euro Support gibt es eine Hof-Führung

Auf der künftigen Online-Plattform sollen Verbraucher Höfe in ihrer Nähe ausfindig machen können, die auf bio umstellen wollen und an deren Produkten sie Interesse haben. Einen ersten Kooperationspartner gibt es bereits: Der Hof Wendland Ziege in Clenze will seinen Ackerbau auf bio umstellen. Wer den Hof dabei mit 50 Euro unterstützt, erhält als Gegenleistung einen Rundgang inklusive Verkostung. Wer für 70 Euro die Patenschaft für eine Ziege übernimmt, bekommt eine Seife aus Ziegenmilch und Ziegen-Trinkjoghurt – plus Besuchsrecht, natürlich.  

Das Prinzip der Dankeschöns ist Teil des Finanzierungskonzepts Crowdfunding. Wie das funktioniert, haben Reenie Vietheer und Sinjo Neitsch im vergangenen Jahr in Workshops unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) gelernt. Die gute Vorbereitung hat sich gelohnt: Das erste Funding-Ziel in Höhe von 15.000 Euro ist bereits erreicht. „Wir haben uns riesig gefreut“, sagt Reenie Vietheer. „Jetzt drücken wir die Daumen für das zweite.“ Das zweite und letzte Ziel liegt bei 30.000 Euro. Noch bis Sonntag, 9. August, können Interessierte die Kampagne über die Plattform Heidecrowd, einer Regionalseite der Crowdfundingplattform Startnext, unterstützen. 

„Die Menschen wollen wissen, woher ihr Essen kommt“

Doch selbst wenn sie das finanzielle Ziel nicht erreichen sollten, sind Reenie Vietheer und Sinjo Neitsch mit ihrem Crowdfunding sehr zufrieden. „Die Führungen auf den Höfen sind stark nachgefragt, das zeigt uns: Die Menschen sind sehr am Thema Landwirtschaft interessiert“, sagt Reenie Vietheer. „Sie wollen wissen, woher ihr Essen kommt und was den Bauern Schwierigkeiten macht. Das stärkt uns, unsere Idee umzusetzen.“

Heidecrowd für unsere Region

Für die Realisierung haben sich die beiden Gründer aus Buchholz für den Crowdfunding-Anbieter Startnext, genauer die Regionalplattform www.heidecrowd, entschieden. Hinter Heidecrowd steht die Crowdfunding-Initiative Heide-Elbe, ein Verein der Leuphana Universität Lüneburg, die Sparkassen Harburg-Buxtehude und Lüneburg, die Volksbanken Lüneburger Heide und VR plus Altmark-Wendland, die NBank, die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Niedersachsen (MBG) mbH und unsere IHKLW.