„Mein Gin schmeckt einfach am besten“

Kai Apel
Foto: privat

Wer sind Sie und was machen Sie?
Ich bin Tischler und Heizungsbauer im Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Außerdem vertreibe ich seit rund drei Jahren im Nebenerwerb Gin. Es gibt viele Gin-Sorten auf dem Markt. Mein Luna Gin ist einer davon – und ich finde: Er schmeckt einfach am besten. (lacht) Zum Glück sehen das auch viele Kunden so. Deshalb stecke ich neben meinem 40-Stunden-Job auch viel Zeit und Liebe in dieses Projekt. Aus meiner Schnapsidee ist richtig was geworden: Ich habe mal ganz klein mit 250 Flaschen angefangen. Inzwischen verkaufe ich rund 1.800 Flaschen pro Jahr. Mein Gin ist online – und in Lokalen, Geschäften sowie in Supermärkten unter anderem in Lüneburg, Geesthacht, Lauenburg, Salzhausen und Winsen zu bekommen.

Wie sind Sie auf Ihre Geschäftsidee gekommen?
Die Gin-Sorten, die es bisher auf dem Markt gab, haben mir nicht geschmeckt. Deshalb wollte ich mich einfach selbst daran versuchen. Ich bin ein Bastler – und habe Spaß daran, neue Dinge auszuprobieren. Meine Küche wurde kurzerhand zur Brennerei – mit einer Kupferdestille, die ich bei ebay ersteigert habe. In Fachbüchern und im Internet recherchierte ich, was ich beim Brennen beachten muss. Außerdem habe ich die Zutatenlisten auf Gin-Etiketten studiert. Und dann begannen meine ersten Versuche. Damals durfte man das noch, heute nicht mehr. Alkoholgewinnung durch Destillation ist seit 2018 nur noch in Brennereien erlaubt. Aber ich habe mich damals noch ausleben dürfen – und experimentierte einfach nach Gefühl mit verschiedenen Zutaten, mit Wacholderbeeren, Hibiskusblüten, Kardamom, Zitronengras, Orangen- und Gurkenschalen und Basilikum. Alles, was die heimische Küche gerade so hergab. Nach einigen Versuchen und vielen Tagen der Destillation hatte ich die aus meiner Sicht perfekte Mischung aus Geschmacksnuancen gefunden. Meine Kumpels, Wirte aus Lüneburg, waren die ersten Test-Trinker – und waren begeistert. Deshalb dachte ich: Warum eigentlich nicht in den Gin-Verkauf einsteigen?

Was machen Sie anders als andere?
Der abgedämpfte Wacholder-Anteil ist weniger dominant als bei den meisten anderen Gins. Damit bleibt Raum für weitere Geschmacksnuancen, wie zum Beispiel Kardamom. Mein Gin ist in hochwertigen Tonflaschen abgefüllt – und hat deutlichen Lokalbezug: Mondgöttin Luna vom Lüneburger Marktplatzbrunnen ist die Namenspatin, die alte Lüneburger Stadtmarke aus dem 11. Jahrhundert Mons, Pons, Fons (Berg, Brücke, Quelle) findet sich als Golddruck auf jeder Flasche. Anders als andere bin ich auch weiterhin experimentierfreudig: Zuletzt habe ich zum Beispiel Gin in einem 55-Liter-Eichenfass abfüllen und einlagern lassen. Heraus kam ein Gin mit einer leichten Eichen-Vanille-Note. Die Flaschen für diese „Sonderedition“ habe ich eigenhändig gelasert. Ich scheue also nicht zeitaufwändige Detailarbeit. Im Gegenteil: Es macht mir sehr viel Spaß.

Wie schwer war der Weg in die Selbstständigkeit?
Etwas mühsam, aber auch okay. Im ersten Jahr war ich viel unterwegs und habe mein Produkt vorgestellt. Das waren lange Abende. Ich bin in Lüneburg und Umgebung aber recht gut vernetzt und mit einigen Lüneburger Gastronomen gut befreundet. Diese Kontakte haben mir bei den ersten Schritten in der Szene natürlich geholfen. Die Suche nach den richtigen Dienstleistern war hingegen etwas mühselig. Lieferanten hielten alles Mögliche nicht ein: Farben bei den Drucken stimmten nicht, Korken waren falsch. Es brauchte so einige Versuche, bis ich das für mich perfekte Produkt in den Händen hielt.

Wie sehr macht Ihnen die Corona-Pandemie im Moment zu schaffen?
Sehr. Mein Gin wird normalerweise viel in Restaurants und Kneipen getrunken. Die Gastro pusht sonst auch den Gin-Verkauf im Einzelhandel. All das fällt im Moment weg. Ich wollte im vergangenen Jahr eigentlich bei diversen Veranstaltungen dabei sein – und meinen Gin vorstellen. Alle Termine sind ausgefallen. Die Pandemie wird sich also auch auf meine Verkaufszahlen auswirken.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
So langfristige Pläne habe ich gar nicht. Wenn es so weiterläuft wie bisher, wäre ich schon sehr zufrieden. Ich bin offen für alles, was noch so kommen mag.

Was raten Sie anderen Jungunternehmern?
Man sollte mit Herzblut dabei sein. Unterstützung von der Familie hilft. In meinem Fall ganz wichtig: Die Abende in dem einen oder anderen Lokal waren recht lang. (lacht) Und ganz wichtig: Ein zweites Standbein ist immer gut oder man hat genug Geld oder Unterstützer.

Vervollständigen Sie folgenden Satz: Mein Glück wäre perfekt, wenn…
… die Pandemie endlich vorbei ist.