Meisterprämie diskriminiert IHK-Abschlüsse

Symbolbild: auf einem Tisch liegen Geldmünzen, dhinder stehen farbige Säulen, die größte trägt einen Absolventenhut.
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Die Ungleichbehandlung bei der Meisterprämie ist laut IHK für Absolventen aus Industrie und Handel nicht nachvollziehbar.

Die niedersächsische Landesregierung will die Meisterprämie im Handwerk auch nach 2019 zahlen. Das hat Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann während der Plenarsitzung am 27. Februar angekündigt: „Die niedersächsische Meisterprämie ist eine echte Erfolgsgeschichte. Bis Mitte Februar wurden rund 2.300 Anträge bewilligt, es gibt ein erhöhtes Interesse und mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Meisterkursen. Damit leistet die Meisterprämie schon jetzt einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung im Handwerk und stärkt den Wirtschaftsstandort Niedersachsen.“

So weit, so gut. Aber: „Eine Meisterprämie nur für Handwerker ist ein Schlag ins Gesicht für Industrie und Handel“, kritisiert Volker Linde, Leiter Politikberatung unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg und Sprecher berufliche Bildung der IHK Niedersachsen. Den Facharbeitern, die in IHK-Betrieben ihre Kurse zum Beispiel als Metall-, Elektro- oder Küchenmeister selbst finanzieren müssen, sei dies nicht zu erklären: „Es kann nicht sein, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.“

Noch im Jahr 2017 hatte der alte Landtag fraktionsübergreifend beschlossen, alle beruflichen Aufstiegsfortbildungen kostenfrei zu gestalten, und damit einen Beitrag zur Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Ausbildung zu leisten. Im Frühjahr 2018 rückte die aktuelle Landesregierung von diesem Beschluss ab: Jetzt sollen lediglich Handwerker den Zuschuss zur Meisterprüfung erhalten. Konkret sieht die Regelung vor, dass Absolventen, die ab dem 1. September 2017 ihre Meisterprüfung in einem Gewerbe der Anlage A oder B der Handwerksordnung bestanden und ihren Hauptwohnsitz oder Beschäftigungsort seit mindestens sechs Monaten vor der Prüfung in Niedersachsen haben, eine Prämie in Höhe von 4.000 Euro für eine bestandene Meisterprüfung beantragen können. Zunächst war geplant, dass die niedersächsische Meisterprämie bis Anfang 2020 gilt, da aber die vom Bund geplante Änderung des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG) bis dahin voraussichtlich nicht umgesetzt sein wird, will die niedersächsische Landesregierung die Meisterprämie verlängern – weiterhin allerdings nur für Handwerksberufe.

Nach IHK-Angaben sind von dem Ausschluss von der Landesförderung rund 4.500 Aufstiegswillige in ganz Niedersachsen betroffen, davon etwa 900 im IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg. Gerade in Zeiten, in denen immer mehr Betriebe auch aus Industrie und Handel händeringend nach guten Fachkräften suchen, sei dies das absolut falsche Signal, betont Linde: „Die aktuelle Regelung diskriminiert Abschlüsse in IHK-Berufen. Niedersachsens Alleingang in dieser Sache ist nicht nachvollziehbar, zumal die Höher der Meisterprämie die tatsächlichen Kosten der Weiterbildung übersteigt. Alle anderen Bundesländer haben sachgerechtere Lösungen gefunden.“