„Mir geht es darum, viel zu bewegen“

Andreas Kirschenmann
Foto: privat
Andreas Kirschenmann, Geschäftsführer der Gastroback GmbH in Hollenstedt im Landkreis Harburg, ist seit Januar 2019 Präsident unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg.

Herr Kirschenmann, Ende Januar wurden Sie zum Präsidenten unserer IHK gewählt, jetzt liegt die erste reguläre Vollversammlung hinter Ihnen. Haben Sie sich schon eingelebt?
Ich arbeite mich momentan intensiv in die Aufgaben und Strukturen ein, lerne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen. Dabei sehe ich mich als Sprecher der Vollversammlung und natürlich als Botschafter zwischen Haupt- und Ehrenamt. Die erste Sitzung unserer Vollversammlung war bereits sehr produktiv und enorm motivierend, dabei hat sich gezeigt: Es gibt jede Menge spannender Themen, die wir gemeinsam in den nächsten Jahren umsetzen wollen.

Welche Schwerpunkte wollen Sie ganz persönlich dabei setzen?
Mir geht es persönlich darum, möglichst viel zu bewegen. Ich bin seit rund 18 Jahren Mitglied in den IHK-Prüfungsausschüssen für die Berufe „Fachkraft für Lagerlogistik“ und „Kaufmann/Kauffrau im Groß- und Außenhandel“. Die berufliche Ausbildung liegt mir also am Herzen. Wir müssen dafür sorgen, dass mehr junge Menschen diesen Weg gehen und auf diese Weise dem Fachkräftemangel etwas entgegensetzen. Das allein wird aber nicht reichen, in unserem IHK-Bezirk fehlen bis zum Jahr 2030 rund 50.000 Fachkräfte, es braucht also auch die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland und eine höhere Erwerbstätigkeit von Frauen. Gerade haben die Wirtschaftsweisen eine ernüchternde Konjunkturprognose abgegeben, sie rechnen noch mit 0,8 Prozent Wachstum. Gleichzeitig habe sich auch die „Grunddynamik“ der deutschen Wirtschaft verlangsamt. All das hat genauso Einfluss auf uns, wie natürlich aktuelle Themen der regionalen Politik, denken wir nur an die zahlreichen Infrastrukturprojekte, die einen Hebel für die wirtschaftliche Zukunft unserer Region darstellen. Es gibt viel zu tun. Klar ist aber auch: Wir müssen Schwerpunkte setzen, und deshalb haben wir gleich in der ersten Sitzung damit begonnen, einen Kurs zu bestimmen und tolle erste Ergebnisse erlangt.

Ein Logo zeigt den Hashtag Gemeinsam Durchstarten #GemeinsamDurchstarten lautet das Motto der IHK-Vollversammlung.

Logo: ihklw

Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Wir haben uns mit den Themen „Digitalisierung meistern“, „Fachkräfte sichern“, „Region zukunftssicher aufstellen“ auseinandergesetzt und zusätzlich weitere Themen eruiert. Da war eine unglaubliche Energie und Kreativität im Raum, echt klasse. Eine neue Vollversammlung setzt ja auch neue, eigene Akzente und das wollen wir jetzt tun. Bis zur nächsten Sitzung im Sommer werden diese ersten Ideen ausgearbeitet und dann geht’s weiter. Gemäß unseres Jahresmottos wollen wir jetzt #GemeinsamDurchstarten, und darauf freue ich mich sehr. Gleichzeitig habe ich Ende März an der ersten Vollversammlung beim DIHK in Berlin teilgenommen. Ich habe in der Vergangenheit schon für unsere IHK in Berlin an runden Tischen und Ausschüssen mitgestalten können und werde das als Präsident nun wohl noch intensiver tun können, gesamtwirtschaftlich gesehen, aber immer mit dem Fokus auf unseren IHK-Bezirk.

In Ihrer Rede während der Vollversammlung in Wolfsburg haben Sie auch auf die möglichen Folgen des Brexit für die regionale Wirtschaft hingewiesen. Worauf müssen wir uns zukünftig einstellen?
Als Handelspartner ist Großbritannien für Niedersachsen extrem wichtig. Niedersächsische Unternehmen sind mit 18.000 Mitarbeitern im Vereinigten Königreich vertreten. Sie erwirtschafteten einen Umsatz von 21 Milliarden Euro. Gleichzeitig lieferte Niedersachsen Waren im Wert von sechs Milliarden Euro in das Vereinigte Königreich. Damit gehört es für Niedersachsen zu den wichtigsten Handelspartnern. Und: Eine aktuelle Studie des DIHK zu den „Auswirkungen des Brexit“ zeigt, dass zwei von drei deutschen Unternehmen im Vereinigten Königreich eine Verschlechterung ihrer Geschäfte erwarten. Der Brexit wirft also seine Schatten bereits voraus.

Sie haben auch an die Vollversammlungsmitglieder appelliert, von ihrem Stimmrecht während der Europawahl im Mai Gebrauch zu machen…
…mir geht es dabei auch, aber nicht primär, um die wirtschaftliche Stärke, die Europa einzigartig macht. Mir persönlich geht es darum, ein gesamtgesellschaftliches Zeichen zu setzen und die demokratischen Werte in den Mittelpunkt zu stellen. Die Wahl im Mai ist eine enorme Chance für uns alle.