Mit Präzision und Weitblick

Firmengründer Manfred Gröhing und sein sohn Harald Gröhing, der heute die Geschäfte der Göhring Maschinenbau GmbH führt, stehen in ihrer Fertigungshalle. Im Hintergrund sind Regale mit Werkzeug und Bauteilen zu sehen.
Foto: Philipp Schulze
Firmengründer Manfred Göhring (l.) und sein Sohn Harald Göhring, der heute die Geschäfte des Familienunternehmens führt.

Den Termin hat Harald Göhring dick im Kalender markiert: „Morgen kommt wieder eine neue Maschine“, sagt der Geschäftsführer der Göhring Maschinenbau GmbH. Das Unternehmen fertigt Dreh- und Frästeile wie Gewinde und Gestänge für verschiedenste Einsatzgebiete, darunter Sonderzubehör für die Erdöl- und Erdgasindustrie. Mit der aktuellen Anschaffung bringt Göhring sein Unternehmen nicht nur technisch wieder ein Stück voran, er folgt einer Art Familienprinzip: „Mindestens zehn Prozent des Umsatzes fließen jährlich als Investition in die Firma zurück. Das habe ich von meinem Vater übernommen.“

Wir zeichnen uns dadurch aus, dass wir technologisch immer auf dem höchsten Niveau sind.

In wirtschaftlich guten Zeiten ist das nicht schwierig, dafür umso herausfordernder, wenn Aufträge ausbleiben. Der Ingenieur, der 1988 in den väterlichen Betrieb einstieg, bilanziert nüchtern: „Ein ständiges Auf und Ab gehört in unserer Branche dazu. Wir haben vieles ausprobiert, manches ist sofort gelungen, anderes musste immer wieder verändert werden.“ Ohne Innovationskraft und den Mut zum Experiment wären weder Vater noch Sohn dort angekommen, wo die Firma mit ihren 30 Mitarbeitern heute steht: „Wir zeichnen uns dadurch aus, dass wir technologisch immer auf dem höchsten Niveau sind. Denn schließlich gilt es, immer höhere Ansprüche zu befriedigen.“

Wie Ansprüche sich wandeln, zeigt der Blick zurück. Firmengründer Manfred Göhring hatte sich in der Nachkriegszeit in Bielefeld vom Lehrling bis zum Ingenieur hochgearbeitet. Als sein Arbeitgeber, ein Landmaschinenhersteller, 1964 in Celle ein neues Werk zum Bau von Kartoffelrodern eröffnete, stieg er zum Betriebsleiter auf. „Ich habe meinen Vater kaum gekannt, weil er immer unterwegs war“, sagt der 1958 geborene Junior. Nach vier Jahren zog die Familie die Reißleine. Manfred Göhring gründet 1968 sein eigenes Unternehmen und baut es zusammen mit seiner Mutter, Herta Göhring, zum gefragten Zulieferer für Maschinenteile für Bohranlagen auf. Die Fertigung der Göhring-Maschinenteile begann in der heimischen Halle, die schnell erweitert wurde, bis 1980 der Umzug auf ein neues Betriebsgelände mit Platz für mehr Maschinen und mehr Mitarbeiter folgte.

Celle, das „Texas der Heide“, galt damals als Zentrum der deutschen Ölförderung. Und die ortsansässige Erdöl- und Erdgasindustrie prägt die Region bis heute. Göhring blickt mit Weitsicht auf die Branche: „Der Ölpreis lässt sich genauso wenig vorhersagen wie die Geschäftspolitik der internationalen Konzerne. Das Risiko musste abgefedert werden.“ Ein Ausflug in den Baumaschinensektor mit der Herstellung von Betonsägen entpuppte sich als Sackgasse. Also widmete sich Göhring verstärkt der Tiefbohrtechnik. „Löcher werden schließlich immer gebraucht“, sagt er und muss über die eigenen Worte lachen, weil das jetzt doch ein wenig simpel klingt. Schließlich ermöglicht die hochmoderne Präzisionstechnik mehr als die Bearbeitung von handlichen Stahlteilen. Große Maschinen bohren bis zu vier Meter tiefe Löcher in schweren Stahl- und Edelstahl.

Mit anspruchsvoll gefertigten Stahlteilen kann Göhring heute Kunden in vielen Branchen beliefern. „Was wir machen, kann eben nicht jeder“, sagt der 60-Jährige. Er möchte langsam die Weichen stellen, um das Unternehmen in einigen Jahren in andere Hände abzugeben. Vorher hat er aber noch ein paar andere wichtige Termine: Das Lieferdatum für die nächste Maschine steht sicher bald schon im Kalender.