Mit Vollgas aus der Krise

ranziska Krusch, Malte Schmidt und Sebastian Röhrs sitzen an einem Rennwagen (Kart)
Foto: tonwert21.de/Wege
Am 23. August vor 25 Jahren wurde Schumacher's Motodrom GmbH in Bispingen gegründet. Heute steuern das Unternehmen (v.l.): Franziska Krusch, Malte Schmidt und Sebastian Röhrs.

Es dröhnt wieder. Dass sie sich über Motorenlärm einmal so freuen würde, ist für Franziska Krusch neu: „Unsere Büros liegen ja direkt neben der Kartbahn. Wenn man die Leute jetzt wieder über die Strecke fahren hört, dann ist das schon wie Musik in den Ohren.“ Und Malte Schmidt sagt: „Normalerweise ist am Wochenende die Hütte voll und der Lärmpegel hoch. Im Lockdown musste ich freitags immer die Alarmanlage scharf schalten, weil alles dicht blieb. Das war schon ein trauriges Bild.“

Guter Saisonstart auf der Kartbahn

von links: Franziska Krusch, Malte Schmidt und Sebastian Röhrs stehen auf einer Fahrbahn und schwenken Rallye-Fahnen. Prokuristin Franziska Krusch, Geschäftsführer Malte Schmidt und Prokurist Sebastian Röhrs.

Foto: tonwert21.de/Wege

Nach siebenmonatiger Zwangspause hat das Ralf Schumacher Kartcenter in Bispingen seit Mitte Mai wieder geöffnet. Eingeschränkt und mit Auflagen zwar, aber das Wichtigste sei doch die Resonanz, sagt Schmidt: „Die Leute haben Spaß am Kartfahren, da scheint es auch einen Nachholbedarf zu geben. Wenn die Saison so weiterläuft, dann sind wir zufrieden.“ Der Optimismus überwiegt also beim jungen Führungstrio des Unternehmens, obwohl es mitten in seiner bisher größten Aufgabe steckt: Es muss eine der beliebtesten Freizeiteinrichtungen in der Heide durch die Corona-Krise steuern. Schmidt (31) ist seit 2018 Geschäftsführer, als Prokuristen tragen Krusch (28) und Sebastian Röhrs (31) ebenfalls Verantwortung. Die meisten der 25 Festangestellten in Kurzarbeit zu schicken, das sei schwergefallen, sagt Schmidt: „Wir hatten ja keine Wahl, sondern mussten gucken, wie wir durchkommen.“ Gleichzeitig galt es, einen neuen Fahrplan zu entwickeln: „Wir haben Strukturen neu geordnet, um uns bestmöglich aufzustellen.“ Die Unsicherheit, ob, wann und wie man öffnen könne, habe flexible Lösungen gefordert. Themen neben dem Alltagsgeschäft konnten im Lockdown angepackt werden: Das digitale Buchungssystem wird gerade weiterentwickelt, Verbesserungsarbeiten an der Strecke sind erledigt.

Fahrspaß für alle

Ralf Schumacher und Jörg Schüssler hatten 1996 ihr „Motodrom“ direkt an der Autobahn 7 als Outdoor-Kartbahn eröffnet. Fünf Jahre später kam ein futuristisch anmutender Stahlbau hinzu, in dem Indoor-Kartbahn, Restaurant, Bowlingcenter und Tagungsräume untergebracht sind. Damit erweiterte sich der Kundenkreis. „Wir wollen einem breiten Publikum möglichst viele Attraktionen bieten, die mit Kartfahren in Verbindung stehen“, sagt Schmidt. Unter den jährlich rund 200.000 Besuchern finden sich Familien, Freizeitfahrer und sportlich Ambitionierte. Dafür, dass jede Gruppe ihren Spaß hat, sorgt ein strenges Sicherheitskonzept und hochwertige Fahrzeuge, die jährlich erneuert werden. Die Kleinen können Elektrokarts auf der Ministrecke testen, größere Kinder steigen in spezielle Kinderkarts. Die Indoorbahn gilt mit ihrer kurvigen Streckenführung als besonders anspruchsvoll, während im Freien auf 1000 Metern Strecke richtig Gas gegeben werden kann. Und wer erstmal auf den Geschmack gekommen ist, der möchte oft mehr: Ein Modul in der Kartschule vermittelt Tipps, wie man die Kurve richtig kriegt. „Man muss ein Gefühl für die Strecke entwickeln“, sagt Krusch. Kartfahren lasse niemanden kalt: „Anfänger steigern sich langsam, Sportfahrer kämpfen um die Zehntelsekunde. Aber wenn sie aussteigen, stecken alle voll Adrenalin und es wird heftig gefachsimpelt, wie man den Bremspunkt noch ein bisschen verlagern kann.“

Standort in der Heideregion hat sich bewährt

Foto von dem grau-weißen Gebäude der Kartbahn Schuhmacher’s Motodrom in Bispingen liegt mitten in der Heide. auch Teamevents sind auf der Kartbahn möglich.

Foto: tonwert21.de/Wege

Der Standort mitten in der Freizeitregion der Heide hat sich ebenso bewährt wie die speziellen Arrangements. Das Tagungsgeschäft müsse erst wieder anlaufen, sagt Schmidt, Firmenevents würden noch zögerlich gebucht. Er ist überzeugt, dass trotz Digitalisierung echte Begegnungen in der Arbeitswelt unverzichtbar bleiben: „Wir bieten besondere Teamerlebnisse zur Mitarbeitermotivation. Das wird niemals online funktionieren.“

Die Schumacher-Brüder starteten ihre Karriere auf einer Kartbahn. Das ist lange her – aber der Attraktivität des Motorsports hat das bisher genauso wenig geschadet wie das steigende Umweltbewusstsein. Für die Geschäftsführung durchaus ein Thema: Elektroantrieb statt Gas-Karts wären eine Option. „Aber das ist noch nicht ausgereift genug“, sagt Krusch, „da gucken wir auf Innovationen.“

Erstmal geht es darum, wieder in die Spur zu kommen. Trotz der Herausforderungen: Den Job an der Rennstrecke eintauschen gegen ein ruhiges Büro, ist keine Option. Als Industriekaufmann habe er früher Betonfertigteile verkauft, sagt Schmidt. „Jetzt habe ich mit Emotionen zu tun. Und das in einem tollen, familiären Team – das ist schon was Besonderes.“ Krusch sieht das ähnlich: „Wir verkaufen im Grunde ja Spaß. Und das macht einfach Spaß.“