Mundschutz statt Kleider

Illustration einer Frau an der Nähmaschine, daneben ein Mundschutz sowie ein Karton, mit versandfertigen Mund-Nasen-Bedeckungen.
Illustration: finelittlepaper, Sandra Becker-Borrée

Die Idee kommt Maren Brandt mitten in der Nacht, als die Umsatzeinbußen wegen der Corona-Krise und die Gedanken an ihre Mitarbeiterinnen sie wach halten. Plötzlich fällt sie den Entschluss: Wir nähen jetzt Behelfsmasken.

Corona-Krise trifft Maren Brandt kurz nach der Gründung

Die Lüneburger Unternehmerin ist in der Modebranche fest verwurzelt. Seit 2016 entwickelt sie mit „marenbrandt CLOTHING ENGINEERING“ Kollektionen für ihre Auftraggeber und richtet
de­ren Lieferketten nachhaltig aus, im vergangenen Jahr gründete Brandt außerdem ihr eigenes Label Make Monday Sunday nebst lokaler Produktion in Lüneburg. Allein dafür hat sie vor wenigen Monaten 100.000 Euro Investitionskapital aufgenommen. Und dann kam die Corona-Krise.

Große Kunden haben Aufträge storniert, Messen und eine Verkaufstournee wurden abgesagt – und Brandt sah sich mit 93.000 Euro Umsatzverlusten allein bis Ende Juni konfrontiert. „Zum Glück bin ich ein Mensch, der in Krisenzeiten auf kreativen Hochtouren läuft“, sagt Brandt. Ein Glück ist das auch für viele, die selbst unmittelbar von der Corona-Krise betroffen sind: Rettungssanitäter, Apothekerinnen, Pflegekräfte, Arzthelferinnen und viele Ältere, die ihre Einkäufe nach wie vor selbst erledigen müssen oder wollen. An all diese Menschen nämlich gibt Maren Brandt Behelfsmasken ab – größtenteils kostenlos, nur Unternehmen zahlen den Selbstkostenpreis von fünf Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.

Behelfsmasken aus Bio-Baumwolle

Mehr als 700 Meter Bio-Baumwolle, die eigentlich für die Make-Monday-Sunday-Kleider gedacht waren, sowie 3.520 Meter Gummiband und 3.500 Meter Schrägband haben ihre Mitarbeiterinnen in der Produktion inzwischen zu Behelfsmasken vernäht. „Das entspricht einem Netto-Materialwert von etwa 10.828 Euro und Lohnkosten von 27.500 Euro“, rechnet Brandt vor. Rund 10.000 Behelfsmasken haben Brandt und ihr Team seit Mitte März bereits verteilt. „Bis einschließlich Mai konnten wir so die Betriebs- und Lohnkosten decken“, sagt Brandt, „inzwischen scheint der Bedarf aber weitestgehend gedeckt, zumal nicht zuletzt die Maskenpflicht megabillige Ware aus dem Ausland auf den Markt gespült hat.“

Auch Soforthilfe half in den ersten Shutdown-Monaten 

Trotzdem ist Brandt froh, die Hürde der ersten Shutdown-Monate genommen zu haben – auch dank der 9.000 Euro Soforthilfe der NBank und der Volksbank Lüneburger Heide, die ihr einen Teil des Investitionskredits sofort ausgezahlt hat. Beantragt hat Brandt auch den Niedersachsensofortkredit in Höhe von 50.000 Euro. Die Unternehmerin hat die Zeit auch genutzt, um einen Online-Shop für die Make-Monday-Sunday-Kollektion aufzubauen und mit anderen lokalen Unternehmen digitale Veranstaltungen auf die Beine zu stellen.

 „Ich erlebe ganz viel Zuspruch und Zusammenhalt hier in Lüneburg“, sagt Brandt. Überhaupt komme es ihr trotz der finanziellen Sorgen so vor, „als ob sich die Welt in der Krise zum Positiven wandelt“. Ihr Vermieter habe ihr für drei Monate die Hälfte der Miete gestundet, ein Privatkunde habe Gutscheine für gleich drei Kleider gekauft, um sie zu unterstützen, und mit anderen Auftraggebern habe sie sich auf Kompromisse verständigt. In einem Fall hat ein Kunde ihr sogar angeboten, eine Zwischenrechnung zu stellen, die noch gar nicht fällig gewesen wäre.

Zusammenhalt stärkt Zusammenarbeit auch nach der Krise

Dass sich im Gegensatz dazu insbesondere Großkunden wenig kompromissbereit zeigten und eigene Schwierigkeiten eins zu eins an Brandt als Auftragnehmerin weitergegeben haben, treffe sie besonders hart, sagt Brandt: „Jetzt zeigt sich eben auch, mit wem man geschäftlich auf Augenhöhe zusammenarbeiten kann – und das auch nach der Krise noch gerne möchte.“