Neuer IHKLW-Innovationsbotschafter

Porträt Martin Knoche
Als Neudenker steht er für die enorme Innovationskraft der regionalen Unternehmen: Martin Knoche, Geschäftsführender Gesellschafter der Dichtelemente arcus GmbH aus Seevetal.

Die Bitte nach Stift und Notizblatt bringt die Mitarbeiterin ins Grübeln. Solche Arbeitsmaterialien gibt es schon seit sieben Jahren nicht mehr bei der arcus GmbH im Industriegebiet Beckedorfer Bogen in Seevetal. „Wir arbeiten komplett papierlos“, sagt Martin Knoche. Ein konsequenter Kurs – und zwar in allen Bereichen.

Die arcus GmbH ist ein Großhändler für Dichtungen

Was auf den ersten Blick hart erscheint, ist auf den zweiten überlebensnotwendig. Denn die Konkurrenz auf dem Weltmarkt ist gnadenlos. Und wer auf ein Spezialgebiet wie Dichtungen setzt, der darf sich keine Schwäche erlauben. Knoche kennt daher nur den konsequenten Weg – sei es bei der Weiterentwicklung seines Unternehmens oder auch bei der Förderung seiner Belegschaft. Dafür haben ihn die IHKs Lüneburg-Wolfsburg und Stade für den Elbe-Weser-Raum zum Innovationsbotschafter 2020 ernannt.

Porträt Martin Knoche „Wir investieren viel in die Optimierung und Automatisierung unserer Arbeitsprozesse“, sagt Martin Knoche, Geschäftsführender Gesellschafter der arcus GmbH.

Foto: ihklw/tonwert21.de

Die Firma arcus ist ein Großhändler in Sachen Dichtungen. Alle Spezialanfertigungen, die der Markt erfordert, müssen in kürzester Zeit beim Kunden sein. 80.000 Artikel, über 250 Millionen Einzelteile gilt es zu lagern. „Die Ingenieure sind kreativ und verlangen ständig neue Spezialanfertigungen“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Knoche.

Mehr als 80.000 Artikel fasst das vollautomatische Lager

Um in diesem Geschäft mithalten zu können, setze das Unternehmen konsequent auf Digitalisierung, so Knoche: „Wir investieren viel in die Optimierung und Automatisierung unserer Arbeitsprozesse, schauen ständig, wo wir eine Effizienzsteigerung erzielen können.“ So wurde ein siebenstelliger Betrag in das neue vollautomatische Lager gesteckt, das gerade in Betrieb genommen wird. „Wenn Sie online etwas bei uns bestellen, holt es der Shuttle zwei Minuten später aus dem entsprechenden Regal“, sagt Knoche. Und wenn der Kunde fünf Mal am Tag etwas ordert, erhält er 24 Stunden später dennoch nur ein Paket.

Dazu  kommt der persönliche Kontakt zu den Kunden: 15 Mitarbeiter sitzen am Telefon, um lange Hotline-Wartezeiten zu vermeiden. Zeit ist knapp auf den Baustellen dieser Welt.

Besonderes Verantwortungsbewusstsein für Mitarbeitende

Porträt Michael Petz Michael Petz leitet die IHK-Innovationsförderung, begleitet und berät Unternehmen und vernetzt sie mit Hochschulen und Wissenschaftlern.

Foto: ihklw/tonwert21.de

Die arcus GmbH setzt dabei auf eine 50-köpfige Belegschaft, von der Mitdenken gefordert ist und der Motivationshilfen gegeben werden, wie sie nur selten zu erleben sind bei einem mittelständischen Betrieb. „Martin Knoche strebt stets danach, die Prozesse in seinem Unternehmen zu optimieren und zeichnet sich zugleich durch besonderes Verantwortungsbewusstsein seinen Mitarbeitenden gegenüber aus“, schildert Michael Petz, Leiter der Innovationsförderung der IHKs Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) und Stade für den Elbe-Weser-Raum, warum der Seevetaler Unternehmer zum IHK-Innovationsbotschafter gekürt wurde.

Die IHK-Innovationsbotschafter sind Persönlichkeiten, die als Neudenker innovative Strategien in ihren Unternehmen umsetzen. Sie wirtschaften erfolgreich, verantwortungsbewusst und sichern sich mit Führungsstärke, Mut und spannenden Ideen langfristigen Unternehmenserfolg – und schreiben damit das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns fort. Mit der Auszeichnung werden neuartige, ungewöhnliche und zukunftsweisende unternehmerische Tätigkeiten geehrt.

Innovationsmanagement mit Prämien für gute Ideen

Bei der der Dichtelemente arcus GmbH spielt die Belegschaft eine wichtige Rolle für die Weiterentwicklung des Unternehmens. Wer konstruktive Vorschläge macht, bekommt als Dank Prämien. Jeder Mitarbeiter hat ein eigenes Büro, im Fitnessstudio im ersten Stock stehen mehr als zwei Dutzend Geräte, zusätzlich gibt es einen eigenen Cardio-Raum. „Das Fitnessstudio ist abends ein beliebter Treffpunkt gerade der jungen Kollegen“, schildert der 48-jährige Betriebschef. Einmal in der Woche kommt außerdem eine Pilates-Trainerin, um den üblichen Rückenproblemen von Büropersonal vorzubeugen.

Porträt von Martin Knoche, der an einer Glaswand lehnt. Martin Knoche ist es wichtig, dass es seinen Mitarbeitenden gut geht.

Foto: ihklw/tonwert21.de

Im Sommer kann in den Pausen die Dachterrasse zur Entspannung genutzt werden, auf familiäre Belange wird Rücksicht genommen und die Mitarbeiter sind nahezu alle „Eigengewächse“, wie Knoche sagt. Dass der Betrieb weitaus mehr ist als nur ein Arbeitsplatz, hat natürlich seinen Preis. „Aber es ist gut investiertes Geld. Und wenn man Geld verdient, hat man auch die Verpflichtung, der Belegschaft etwas zurückzugeben“, sagt Martin Knoche. Eine Leitfrage sei für ihn, wie er seinen Mitarbeitenden die Arbeit erleichtern könne, beschreibt Michael Petz Knoches Kurs. Dieses Engagement zahlt sich aus, wenn, wie Anfang des Jahres, die Situation plötzlich eine komplett andere ist. „Die Corona-Pandemie haben wir so früh mitbekommen wie wohl kaum ein anderes Unternehmen“, schildert Martin Knoche. Weltweit kauft die arcus GmbH ein, doch plötzlich waren Teile nicht lieferbar. „Da konnten wir von unseren Erfahrungen aus der Finanzkrise profitieren.“ Und von der Erfahrung der Mitarbeiter.

Vom Standort Seevetal zu Kunden in der ganzen Welt

So wurden in diesem Sommer die siebeneinhalb Meter hohen Lagerregale mit Material aufgestockt, obwohl der Absatz brachlag. Der Umsatz schwand, aber nur im einstelligen Prozentbereich. Michael Petz fasst zusammen: „Mit modernster Technik auf höchstem Niveau sowie einem außergewöhnlichen Gemeinschaftsgefühl unter den Mitarbeitern gelingt es der arcus GmbH, den Wettbewerb mit den großen Versandhäusern dieser Welt im Spezialbereich der technischen Dichtung vom Standort Seevetal aus aufzunehmen. Martin Knoche ist eine Unternehmerpersönlichkeit, die den Kreis der jetzt 23 IHK-Innovationsbotschafter optimal ergänzt.“

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