Powerforum und Expertennetzwerk

Dreier-Gespräch zum Thema Digitalisierung in der Region Wolfsburg.
Foto: Boris Baschin
Treiben des Thema Digitalisierung in Wolfsburg voran (v. l.): Michael Wilkens, stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg, Christoph Steindorff, Vorsitzender, sowie Kai Kronschnabel, stellvertretender Vorsitzender von DIGES.

„Uns beschäftigte am Anfang die Frage, warum nicht auch kleinere IT-Unternehmen im Zusammenhang mit #WolfsburgDigital als hilfreich wahrgenommen werden“, berichtet Christoph Steindorff, Vorsitzender des Vereins Digitale Gesellschaft Wolfsburg, kurz DIGES, und Geschäftsleiter des Softwareentwicklers NeosIT. Aus dem ursprünglichen Ansatz, einen IT-Verband zu gründen, entwickelte sich aber bald die Idee eines offenen Forums. Jeder ist eingeladen, dem das Thema Digitalisierung in Wolfsburg am Herzen liegt. Kai Kronschnabel, stellvertretender Vorsitzender, IT-Experte und Unternehmer, ist gut vernetzt und möchte seine vielfältigen Kontakte in den Dienst des Vereins stellen. „Überall in den Institutionen, in der Politik und in den Ausschüssen fehlen Ansprechpartner, die über IT-Fachwissen verfügen. Auch in den Schulen besteht allergrößte Not. Bei den Lehrern werden nur drei von 1.000 mit Digitalkenntnissen ausgebildet. Deshalb sehe ich einen wichtigen Ansatz darin, noch viel stärker als bisher den digitalen Gedanken in die Bevölkerung hineinzutragen.“

Es fehlen IT-Experten – auch an den Schulen

Ob guter Informatikunterricht mit Fördermöglichkeiten für Schüler, digitale Prozesse in der Verwaltung oder digitale Experten: In allen Bereichen gibt es gravierende Defizite. Michael Wilkens, stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg, sieht klaren Handlungsbedarf: „#WolfsburgDigital hat die großen Leitlinien gezogen und die Stadt macht sich im Verhältnis zu anderen Kommunen massiv auf den Weg. Jetzt müssen wir noch deutlicher zeigen, dass es nicht nur gute Ideen und Projektstrukturen braucht, sondern dass die Verantwortlichen von Stadt, Politik und Volkswagen auch bereit sein müssen, Geld in die Hand nehmen, um das Wort in die Tat umzusetzen.“ Deshalb setzt sich der Verein beispielsweise dafür ein, dass in sichtbare Projekte vor Ort investiert wird – und zwar mit Mut und Weitblick. „In Zusammenarbeit mit dem Dezernat Schule wollen wir beispielsweise an einer Schule mit einer Informatik-AG einen Piloten starten“, berichtet Christoph Steindorff. „Wir setzen dabei auf ein niederschwelliges Train-the-Trainer-Konzept. Eine weitere Idee des Vereins ist es, mit ehrenamtlicher Manpower aus den Unternehmen praktische Computer- und IT-Kenntnisse an Schüler zu vermitteln. Unsere Vision 2.0 geht noch einen Schritt weiter: Wir kümmern uns um die Auswahl und das Sponsoring von Projekten und holen IT-Pädagogen für interessierte Schüler, um diese Projekte dann breiter aufgestellt in die Schulen zu tragen.“ Kai Kronschnabel ergänzt: „Wir wünschen uns, dass die Lehrer, die naturwissenschaftliche Fächer unterrichten, uns Schüler mit Interesse und Talent schicken.“ Dabei geht es dem Verein aber nicht nur um „IT-affine Nerds“, sondern darum, das allgemeine Verständnis in der Bevölkerung und bei jungen Leuten im Umgang mit den neuen Medien zu fördern.

DIGES mischt in allen Handlungsfeldern von #WolfsburgDigital mit

Für die DIGES-Mitglieder beschränkt sich die Digitalisierung nicht auf das Thema der Mobilität. Inzwischen sind Vereins-mitglieder in allen Handlungsfeldern von #WolfsburgDigital präsent und wollen sich als kompetente Ansprechpartner mit ihrem starken Netzwerk positionieren. Dabei spielt die Verbindung zur Stadt, die auch Gründungsmitglied des Vereins war, eine wesentliche Rolle. Christoph Steindorff betont: „Dezernent Dennis Weilmann hat immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen. Mit ihm haben wir einen gewichtigen Ansprechpartner, der auch etwas bewegen kann. Der regelmäßige Austausch mit ihm und mit Referatsleiter Sascha Hemmen ist für beide Seiten wertvoll.“

Alle Initiativen des Vereins sollen langfristig dazu beitragen, dass es mehr IT-Fachkräfte gibt. „Dafür betreiben wir die absolut notwendige Lobbyarbeit“, betont Michael Wilkens. „In dem Verteilungskampf um Ressourcen, Geld und Personal können wir uns als Verein lokal und direkt einschalten und mitreden.“ Darüber hinaus bietet sich DIGES aber auch in konkreten Praxisfeldern als Sparingspartner an. Wolfsburger Unternehmen können gerne mit Fragen oder Anregungen auf den Verein zugehen. Mit seinem Experten-Netzwerk unterstützt DIGES Start-ups und Unternehmen, die ein digitales Geschäftsmodell verfolgen. „Wir haben hier fast das gesamte Spektrum an Digital-Experten vor Ort“, betont Christoph Steindorff.

Im Herbst soll ein Barcamp stattfinden

Ein BarCamp wie im letzten Jahr möchte die DIGES auch im Herbst 2019 wieder organisieren. Neben einer stärkeren Öffentlichkeitsarbeit stehen aber vor allem Schul- und Ausbildungsprojekte auf der Agenda. Darüber hinaus wollen die Mitglieder zukünftig noch stärker ihre Expertise in die Handlungsfelder von #WolfsburgDigital und in den neu gegründeten Digitalausschuss einbringen. „Schließlich wollen wir uns als Verein weiterentwickeln“, erklärt Christoph Steindorff. „Dazu möchten wir branchenübergreifend neue Mitglieder gewinnen. Wir wünschen uns Menschen, die sich für das Thema begeistern. Wer zu uns stößt, profitiert nicht zuletzt von unserem Netzwerk.“

Quelle: WMG, Wirtschaftsmagazin WolfsburgPlus 03/19

DIGES versteht sich als Forum für alle, die das Thema Digitalisierung in der Region Wolfsburg aktiv mitgestalten und vorantreiben wollen. Der Verein wurde im Mai 2018 von lokalen IT-Unternehmen zusammen mit der örtlichen IHK und der Stadt Wolfsburg gegründet. Bei der von Volkswagen und der Stadt Wolfsburg gestarteten Initiative #WolfsburgDigital möchte der Verein die Interessen der regionalen Wirtschaft und der Wolfsburger Bürger einbringen und Wolfsburg fit machen für die Herausforderungen der Digitalisierung. Neue Mitglieder (Unternehmen, Institutionen, Gemeinden und Einzelpersonen) sind herzlich willkommen.

Internet: www.diges.org
E-Mail: info@diges.org