Privates Kapital soll durch die Krise helfen

Zu sehen ist ein Kompass, dessen Nadel auf das Wort Invest zeigt.
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Die „Initiative zur Stärkung des Eigenkapitals im deutschen Mittelstand“ (ISEM) will kapitalsuchende Mittelständler und Investoren über eine digitale Plattform vernetzen.

Eine Initiative aus Wirtschaftsverbänden und Privatwirtschaft will unter dem Motto „Wirtschaft hilft Wirtschaft“ den Mittelstand in der Corona-Krise unterstützen. Die „Initiative zur Stärkung des Eigenkapitals im deutschen Mittelstand“ (ISEM) will Kapital privatwirtschaftlicher Investoren wie Unternehmen, Beteiligungsgesellschaften, Family Offices und vermögender Privatinvestoren aktivieren. Im Fokus stehen kapitalsuchende mittelständische Unternehmen mit Umsätzen zwischen fünf und 100 Millionen Euro.

Plattform eignet sich für Eigenkapitalsuche ab 100.000 Euro

„Viele Unternehmen brauchen jetzt für ihre Gespräche mit Banken eine solide Eigenkapitalbasis, die aber durch die Corona-Krise angegriffen ist. Hierfür wollen wir privates Kapital aktivieren“, sagt Hans-Jörg Schmidt-Trenz, ehemaliger Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg und Partner der Companylinks GmbH, deren Plattform die Initiative nutzt. Bisher bringt Companylinks Unternehmen und Gründer in Sachen Nachfolge zusammen, jetzt soll die Plattform kapitalsuchende Unternehmen und Investoren vernetzen. Die Plattform eignet sich nach Angaben der Initatoren für Eigenkapitalgesuche ab 100.000 Euro.

Investoren und Unternehmen diskret vernetzen

Unter www.initiative-eigenkapital.de können sich kapitalsuchende Unternehmen, Investoren und Berater kostenlos und diskret registrieren. Unternehmen erhalten anschließend zeitnah eine Übersicht potenzieller Investoren. Bereits heute sind über 7.500 Beteiligungsgesuche in der Datenbank gespeichert. Das kapitalsuchende Unternehmen tritt dabei nicht öffentlich in Erscheinung und entscheidet stets selbst, ob und welche Investoren es kontaktiert. Eine Gebühr entsteht nur bei einer erfolgreichen Vermittlung. 

Liquidität über frisches Eigenkapital sichern

„Die von der Bundesregierung geplanten Maßnahmen für von der Pandemie betroffene Unternehmen sind beachtlich und lobenswert“, sagt Schmidt-Trenz, kritisiert jedoch, dass die mittelständischen Unternehmen ausschließlich auf Kredite verwiesen werden, die zurückgezahlt werden müssen. „Da zu erwarten ist, dass viele Mittelständler in den nächsten Wochen Eigenkapitalprobleme bekommen werden, hinterlässt auch die vollständige Haftungsübernahme der Kredite eine Lücke. Hier setzen wir an.“ Eigenkapital-Lösungen könnten die Hilfspakete der Regierung ergänzen und Unternehmen langfristig erhalten.

Laut dem Hamburger Creditreform-Experten Nikolaus von der Decken sei schon jetzt absehbar, dass sich bei vielen Unternehmen die Bilanzkennzahlen wegen hoher Kredit-Neuaufnahmen „dramatisch verschlechtern werden – bis hin zur Insolvenz“. Insofern könnten also Eigenkapitalinvestoren die mittelständische Wirtschaft stärken. 

Mittelstand geht bisher leer aus, so die Kritik

Rückenwind für die ISEM kommt unter anderem vom Unternehmerverband Nord – Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein, dem Arbeitgeberverband Südwesttextil und dem BVMW – Bundesverband mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands. Tenor: ISEM leiste einen wichtigen Beitrag zum Fortbestand von mittelständischen Unternehmen und Arbeitsplätzen.

Der BVMW-Volkswirtschaftsexperte Dr. Hans-Jürgen Völz betont: „Alle bislang aufgelegten staatlichen Förderprogramme richten sich eher an sehr kleine oder sehr große Unternehmen. Der klassische Mittelstand geht weitgehend leer aus. Die ISEM hilft diesen Unternehmen diese Förderlücke zu schließen.“

Die Initiatoren betonen, ISEM sei eine offene Initiative, der sich in den nächsten Tagen weitere Wirtschaftsverbände anschließen können.