Schneller als die Post erlaubt

Daniel Junger kniet neben einem roten Firmenschild mit der Aufschrift Lünebote.
Foto: Andreas Tamme/ tonwert21.de
25 Jahre "Der Lünebote GmbH": Am 1. September vor 25 Jahren wurde das Unternehmen in Lüneburg gegründet, inzwischen zählt auch Operations-Manager Daniel Junker fest zum Team des bundesweit agierenden Unternehmens.

In trauter Eintracht stehen sie nebeneinander: Die gelben Briefkästen der Post und ihre roten Nachbarn des Lüneboten gehören in Lüneburg mittlerweile zum Stadtbild. Mit dem Wegfall des Briefmonopols haben die Lüneburger seit 2016 die Wahl: Alternativ zur Post können sie ihre Briefe mit einer Marke des Lüneboten bekleben und deutschlandweit versenden. Klar, dass es passend zum Jubiläum auch eine Sondermarke gibt – in Rot natürlich, mit einem Ehrenkranz als Motiv. Noch interessanter für Geschäfts- wie Privatkunden: Wer seine Briefe mit dem Lüneboten verschickt, zahlt immer ein paar Cent weniger Porto als bei der Post.

Blick in die Abwicklungshalle des Lüneboten: Gelbe Postkästen und rote Lünebotenkästen mit Briefen. Die Services des Lüneboten reichen von der spontanen Kurierfahrt auf Abruf bis zum Rundumpaket aus Abholung der Tagespost, Sortierung, Frankierung und Zustellung auf schnellstem Wege.

Wettbewerb bei der Briefzustellung war vor 25 Jahren noch undenkbar. Dennoch kann Lüneboten-Geschäftsführer Jens Vasicek nicht ohne Stolz sagen: „Wir sind ein privater Zustelldienst der allerersten Stunde.“ Gestartet war das Unternehmen 1996 nämlich als reiner Kurierdienst, dessen Fahrradkuriere täglich in die Stadt ausschwärmten, um Geschäfts- und Behördenpost schnell und unkompliziert von A nach B zu bringen.

Der Widerstand des gelben Riesen folgte prompt: Die Deutsche Post zog gegen den Mini-Konkurrenten vor Gericht, verlor allerdings den Prozess um die Beförderung bestimmter Sendungen. Der schrittweise Wegfall des staatlichen Postmonopols ebnete dem jungen Unternehmen den Weg.

Immer mehr Firmen, Behörden, Banken und Freiberufler entschieden sich für den Lüneboten, der seinen Geschäftskunden einen maßgeschneiderten Service bietet: Von der spontanen Kurierfahrt auf Abruf bis zum Rundumpaket aus Abholung der Tagespost, Sortierung, Frankierung und Zustellung auf schnellstem Wege. In der Servicequalität sieht Vasicek denn auch den Schlüssel für den Geschäftserfolg: „Wir sind da, wenn etwas eilig ist“, sagt er. Und: „Wir versuchen, das Optimum für den Kunden herauszuholen. Dabei ist unser Credo: Wer mit uns arbeitet, der muss nie wieder ein Postamt betreten.“

Das Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr: Aus dem kleinen Kurierdienst hat sich ein bundesweit agierendes Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 13 Millionen Euro entwickelt. „Uns hat immer angetrieben, dass wir etwas Solides aufbauen. Dafür braucht man mehrere Standbeine. Und die muss man auch voranbringen“, sagt der Lüneboten-Chef. „Die Qualität zu halten, ist dabei die Königsdisziplin.“

Erster Meilenstein war 2015 die Anschaffung einer leistungsstarken Briefsortieranlage, die heute etwa 140.000 Briefe täglich am Standort Stadtkoppel mit seinen rund 30 Mitarbeitern verarbeitet. Die Kuriere fahren mittlerweile E-Bike oder sind mit kompakten Elektrotransportern unterwegs, während für die Briefzustellung in Kooperation mit dem örtlichen Medienhaus die Zustellgesellschaft „Heid Löper“ gegründet wurde.

Blich auf das Firmengebäude des Lüneboten, vor dem ein Lüneboten-Auto steht. Heute verzeichnet der Lünebote einen Jahresumsatz von 13 Millionen Euro.
IHK – Lünebote

Foto: Andreas Tamme/tonwert21.de

Synergien nutzen – das gilt beim Lüneboten auf mehreren Ebenen: Längst hat sich ein breites Netzwerk privater Briefdienstleister etabliert, das den bundesweiten Postversand erst möglich macht. Und es eröffnet neue Kundenkreise. „Wie funktionieren nur miteinander und profitieren voneinander“, sagt Vasicek und nennt Beispiele: Für das Fundraising-Geschäft von Hilfsorganisationen werden deren Briefe direkt von den Druckereien auf alle Netzwerkpartner verteilt. Und auch bei Warensendungen zieht der Lünebote mit seinen Partnern vermehrt Aufträge an Land: „Das ist ein relativ neues Standbein, das durch den boomenden Onlinehandel stark wächst“, sagt Vasicek.

Verwurzelt in der Stadt Lüneburg streckt der Lünebote seine Fühler zudem in die Region aus: In Uelzen, Soltau und Buchholz wurden weitere Standorte eingerichtet.

Bleibt am Ende aber doch die Frage, ob der Brief aus Papier in einer digitalisierten Welt ein Auslaufmodell ist. Vasicek winkt gelassen ab: „Briefe wird es auch in Zukunft geben. Gerade wenn es um Datensicherheit geht, spricht vieles für Papier.“ Die Zukunft des Lüneboten betrachtet der Geschäftsführer daher ebenso wie das heutige Verhältnis zur Post: „Entspannt“.