„Schneller Entscheidungen bekommen“

Pfeile auf Straße
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Herr Jocham, sind die Entscheidungswege in Unternehmen zu schwerfällig?
Nicht in allen Unternehmen, aber grundsätzlich: ja. Dass Trends wie New Work einen so großen Zuspruch finden, hat ja auch damit zu tun, dass Mitarbeiter sich mehr Freiraum und einen größeren Entscheidungsspielraum wünschen. Allerdings halte ich wenig davon, als Mitarbeiter das Klagelied von den schwerfälligen Entscheidungswegen anzustimmen und darauf zu hoffen, dass „die da oben“ doch bitteschön etwas ändern mögen. Die Mitarbeiter können selbst etwas unternehmen. Sie können lernen Entscheidungen so vor- und aufzubereiten, dass Manager auf der Basis rasch und verbindlich entscheiden. Das funktioniert erstaunlich gut und setzt dort an, wo der Schmerz am größten ist: bei den Mitarbeitern selbst.

Management-Trainer Georg Jocham Georg Jocham richtet seinen Blick auf schnelle Entscheidungen.

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Wie gelingt es, schnell gute Entscheidungen zu treffen?
Dass Entscheidungen gut sein sollten, ist ja nicht ganz neu. Die Forderung nach Geschwindigkeit dagegen ist vergleichsweise jung und eine Folge von Globalisierung und Digitalisierung. Wenn Wettbewerber immer aggressiver werden und Kunden immer weniger bereit sind zu warten, dann werden nicht nur gute, sondern auch schnelle Entscheidungen zum Erfolgsfaktor. Wie aber bringt man Führungskräfte und Top Manager und damit Unternehmen insgesamt dazu schneller zu entscheiden? Das geht erstaunlich einfach: indem man Mitarbeitern zeigt, wie sie eine Entscheidung so vor- und aufbereiten, dass die Entscheidung sofort getroffen wird. Davon haben alle was.

Bauch oder Kopf? Wie trifft man die bessere Entscheidung?
Das hängt davon ab, wie viel Erfahrung Sie mit vergleichbaren Entscheidungen haben. Wenn es um eine Entscheidung geht, die sie so oder so ähnlich schon oft getroffen haben und dabei ein gutes Gespür dafür entwickeln konnten, wann die Entscheidung gut oder nicht so gut war, dann liefert der Bauch ganz ausgezeichnete Ergebnisse und ist noch dazu viel schneller als der Kopf. Wenn es hingegen um eine Entscheidung geht, die sie noch nie oder nur selten getroffen haben, dann ist der Kopf die bessere Wahl. Es ist wichtig sich das bewusst zu machen, weil sich Bauchentscheidungen grundsätzlich besser anfühlen, auch wenn sie falsch sind.