Senkung der Mehrwertsteuer: Tipps für Unternehmen

Ein blaues Verkehrsschild zeigt
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1. Entscheidend ist, wann die Leistungen erbracht wurden

Weder der Vertragsabschluss, das Rechnungsdatum noch der Zahlungseingang sind relevant, allein der Leistungszeitpunkt entscheidet, ob der verminderte Mehrwertsteuersatz angewendet wird. Bei einer Warenlieferung ist das etwa die Übergabe der Ware, wird die Ware versendet, zählt die Übergabe des Pakets an die Post oder den Spediteur. Für Werkleistungen wie Reparaturen oder Anfertigungen ist der Leistungszeitpunkt die Übernahme oder Abnahme, bei Werklieferungen im Bau ist das beispielsweise die Abnahme des Kunden. Im Falle von Dienstleistungen und Beratungen zählt das Leistungsende, bei zeitlich begrenzten Dauerleistungen wie Wartungen oder Leasingverträgen ist das Ende des vereinbarten Leistungszeitraums entscheidend. Ob bereits Anzahlungen geleistet wurden, spielt hingegen keine Rolle.

2. Das gilt für Dauer- und Teilleistungen

Bei Dauerleistungen, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, kommt es darauf an, ob Teilleistungen ausgeführt werden. Wenn das der Fall ist, zum Beispiel bei Miet- und Leasingverträgen, ist für alle Teilleistungen, die bis zum 30. Juni 2020 ausgeführt wurden, der alte Regelsteuersatz anzuwenden. Für Teilleistungen, die vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020 ausgeführt werden, gilt der verminderte Steuersatz.

Jahreskarten, Saisonkarten und Abonnements sind als Vorauszahlungen für eine Leistung zu betrachten. Hier gilt für das volle Entgelt der Steuersatz, der am Ende der Laufzeit gültig ist. 10er-Karten bei Schwimmbädern und Saunabädern und ähnliche Angebote stellen nach herrschender Meinung hingegen Vorauszahlungen für Teilleistungen dar. Hier gilt also jeweils der Steuersatz, der bei Inanspruchnahme der Teilleistung gültig ist. Das Entgelt ist also gegebenenfalls entsprechend aufzuteilen.

3. Speisen und Getränke in der Gastronomie

Für Speisen in der Gastronomie gilt seit dem 1. Juli 2020 bis zum 30. Juni 2021 der ermäßigte Steuersatz von fünf Prozent, für Getränke 16 Prozent. Bei pauschalen Gesamtverkaufspreisen für Speisen und Getränke (z. B. Buffetpauschale inkl. Getränke) hat die Finanzverwaltung mit Schreiben vom 2. Juli 2020 eine Vereinfachungsregelung geschaffen. Danach wird es nicht beanstandet, wenn der Getränkeanteil am Gesamtentgelt in der Zeit bis 30. Juni 2021 pauschal mit 30 Prozent berücksichtigt wird.

4. Nicht alle Preisangaben müssen geändert werden

Händler und Anbieter von Dienstleistungen können für die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer pauschale Rabatte an der Kasse gewähren, ohne die Preisauszeichnung ändern zu müssen. Ausgenommen von dieser Möglichkeit sind preisgebundene Artikel wie Bücher, Tabakwaren, Zeitschriften, Zeitungen und rezeptpflichtige Arzneimittel.

5. So wirkt sich die Steuersenkung beim Umtausch aus

Beim Umtausch gilt: Wenn ein vor dem Änderungsstichtag verkaufter Gegenstand nach diesem Stichtag umgetauscht wird, ist bei der Übergabe der Ersatzware der zu diesem Zeitpunkt maßgebliche Steuersatz anzuwenden – bis 31. Dezember 2020 also 16 beziehungsweise fünf Prozent, danach 19 beziehungsweise sieben Prozent.

6. Zwei Arten von Gutscheinen

Es sind grundsätzlich zwei Arten von Gutscheinen zu unterscheiden: Einzweckgutscheine (z. B. für eine bestimmte Massage) und Mehrzweckgutscheine (z. B. Shopping-Gutschein, der für mehrere Waren eingelöst werden kann). Für Einzweckgutscheine ist der Zeitpunkt der Ausgabe für den Steuersatz maßgeblich. Bei Mehrzweckgutscheinen kommt es hingegen darauf an, wann die Ware übergeben und eine Dienstleistung ausgeführt wird.