„So trainieren Sie Ihren Mutmuskel“

Kanut auf Fluss
Foto: shutterstock.com

Frau Peters, wie mutig sind Sie?
Heute würde ich mich als sehr mutig bezeichnen – aber bis dahin war es auch ein sehr langer Weg. Ich war und bin ein großer Angsthase und musste deshalb von je her meinen Mutmuskel sehr stark und regelmäßig trainieren, damit ein selbstbestimmtes und freies Leben überhaupt für mich möglich ist. Und genau deshalb weiß ich auch so viel über den Mut, warum er manchmal fehlt, wie wir ihn aktivieren können und was auf dem Weg in ein mutiges Leben alles helfen kann. Wir werden ja immer dort zum Experten, wo wir selbst die größte Herausforderung haben.

Tanja Peters Coach Tanja Peters nutzt ihre persönliche Geschichte, um ihre Zuhörer zu mehr Mut im Job und Alltag anzustiften.

Foto: Bernadett Yehdou

Sie sagen, man könne Mut wie einen Muskel trainieren. Wie genau geht das?
Wichtig ist erst mal zu verstehen, dass mutig sein nicht bedeutet, dass wir furchtlos und ohne Angst sind. Mut ist also die Kompetenz, die wir benötigen, damit wir Ängste überwinden können und handlungsfähig werden oder bleiben.
Je öfter wir „üben“ oder „trainieren“, trotz Angst etwas zu versuchen, umso einfacher wird dieser Schritt für uns. Und wenn Training zur Stärkung führt, na dann ist die Analogie zum Muskeltraining nicht mehr weit. An diesem Bild wird leicht verständlich: Jeden Morgen 20 Liegestütze machen und nicht stärker werden – unmöglich. Und genauso funktioniert es mit dem Mutmuskel, auch hier ist der Hebel das Training und die gute Nachricht: Jeder kann jederzeit starten!

Welchen Tipp haben Sie für besonders schüchterne/ängstliche Menschen?
Erstens: Sich selbst annehmen, genauso wie wir sind, hat eine große Kraft und macht den Weg für Veränderung erst frei. Wenn ich ständig im Kampf bin und abwerte wie ich bin, dann sind Veränderungen und positive Erfahrungen sehr schwer, manchmal sogar unmöglich.
Zweitens: Ganz klein anfangen und erste Mini-Schritte überlegen. Zum Beispiel auf eine Party gehen und dort jemanden ansprechen, den ich noch nicht kenne. Und vielleicht die beste Freundin oder den besten Freund als Backup und Unterstützung dabeihaben. Wenn ich so im geschützten Raum schon mal geübt habe, dann kann ich irgendwann die Party alleine erobern.
Drittens: Bitte nicht mit anderen und womöglich den ganz lebhaften und geselligen Typen vergleichen. Dabei schneidet man nicht nur schlecht ab und beschädigt so den eigenen Selbstwert, es hat auch keine Relevanz für das eigene Leben, denn man ist ja nun mal schüchtern und ängstlich. In diesem Fall noch mal zurück zu Punkt eins.