Die Software-Finder

Uwe Annuß, Geschäftsführer Softguide
Foto: Matthias Leitzke

Wer den Weg durch den Dschungel nicht kennt, der sollte sich führen lassen. Im Dickicht der zahllosen betrieblichen Softwareprodukte ist es für Unternehmen nicht leicht, den Weg zum optimalen Produkt und damit zur richtigen Kaufentscheidung zu finden. Hier erfüllt das Wolfsburger Unternehmen SoftGuide genau das, was der Name sagt: „Mit unserem Recherche-Service und unserem Leitfaden zur Bewertung betrieblicher Software bieten wir Unternehmen aktive Unterstützung bei der Software-Suche an“, sagt Geschäftsführer Uwe Annuß. Ergänzt wird das Angebot durch einen IT-Dienstleister-Guide für die regionale Suche nach dem passenden IT-Partner.

Annuß hat SoftGuide 1996 als eines der ersten Internet-Portale für Business-Software im deutschsprachigen Raum gegründet. Der Diplom-Kaufmann und Wirtschaftsinformatiker hatte zuvor einige Jahre als Software-Entwickler gearbeitet. „Aus dem Studium kannte ich den Software-Führer noch als gedrucktes Buch, das natürlich immer schnell veraltet war. Schon damals habe ich mir gedacht: Das müsste man digitalisieren.“ Klingt heute selbstverständlich, war vor 25 Jahren aber absolutes Neuland. „Ich musste in den ersten Jahren sehr missionarisch unterwegs sein“, sagt Annuß und schmunzelt. „Die Softwareentwickler mussten überzeugt werden, dass es Sinn macht, sich im Internet zu präsentieren.“ Er fing also bei null an, sicherte sich seine Wunschdomain und entwickelte zunächst eine eigene Software, um sein digitales Register möglichst benutzerfreundlich aufzustellen. Und die Mission ging auf: SoftGuide hat sich als wirksamer Vertriebskanal für betriebliche Software fest etabliert. Heute können die zehn Mitarbeiter auf Datenbanken mit rund 54.000 Softwarelösungen von mehr als 5.200 Anbietern zurückgreifen.

Das Prinzip funktioniert so transparent wie einfach: Wer weiß, was er braucht, kann über Suchbegriffe auf der Website schnell ans gewünschte Ziel gelangen, eine passende Software auswählen und Kontakt mit dem Anbieter aufnehmen. „Wer sich nicht auskennt, nennt uns die Anforderungen. Dann machen wir dazu Vorschläge, die so präsentiert werden, dass die Produkte gut vergleichbar sind“, sagt Annuß. „Das Feedback zeigt uns, dass wir gut darin sind.“ Und die Zahlen auch: Mit 5,5 Millionen Besuchern jährlich und 250 konkreten Anfragen am Tag ist SoftGuide eines der meist genutzten Portale seiner Art. Die Anfragen kommen aus allen Branchen, reichen von Soloselbständigen über mittelständische Unternehmen und Behörden bis zu großen Konzernen. „Für die Softwarebeschaffung gibt es in den meisten Unternehmen keine Experten, da wird oft der Schwarze Peter zwischen der IT-Abteilung und der Einkaufsabteilung hin- und hergeschoben“, sagt Annuß, „an dem Punkt kommen wir dann ins Spiel.“ In jedem Fall gilt: Die Kaufentscheidung trifft allein der Interessent. „Unsere Aufgabe ist beendet, sobald wir Angebot und Nachfrage zusammengeführt haben.“

Der Erfolg beruht nicht nur auf der aktuellen Marktübersicht, sondern auch auf der Unabhängigkeit des Unternehmens. SoftGuide erhält keine Provision für getätigte Käufe, sondern finanziert seine Dienstleistung mit den Gebühren, die Anbieter für einen Eintrag im digitalen Register zahlen. Für den SoftGuide-Erfinder ein absolutes Muss: „Alles andere wäre unseriös“, sagt Annuß. „Vertrauen ist unsere Basis. Sowohl Anbieter als auch Suchende müssen sich auf unsere Neutralität verlassen können.“

Corona hat die Nachfrage bei SoftGuide nur leicht gebremst: „Wir haben den Eindruck, dass Projekte in Wartestellung gehen. Aber die werden sicher nachgeholt, wenn die Unternehmen wieder eine Perspektive haben.“ Auf der anderen Seite wachse der Druck, digitale Strategien zu entwickeln: „Die rasch voranschreitende digitale Transformation fordert Unternehmen und Behörden dazu heraus, sich neu zu orientieren“, sagt Annuß. Datengetriebene Geschäftsmodelle, Industrie 4.0, Internet der Dinge, Cloud-Auslagerungen seien einige Stichworte. Der tiefgreifende Wandel erfordere immer komplexere IT-Systeme und flexible Software: „Die Neuerungen sind kaum zu überblicken“, sagt der Experte, „da sehen wir uns als Brückenbauer zwischen IT-Welt und Unternehmen.“