Spediteure fordern mehr Kontrollen

Porträt von Hubertus Kobernuß auf dem Hof seiner Spedition an einen Lkw gelehnt.
Foto: tonwert21.de
Hubertus Kobernuß von der Spedition Kobernuss in Uelzen sagt: "Große wie auch mittelständische Verlader versuchen, die Krise zu nutzen und die Preise zu drücken, teilweise um 15 Prozent. Das ist eine Schweinerei. Es macht die vielen kleinen Familienunternehmen kaputt."

Wenn Hubertus Kobernuß eine E-Mail abschickt, endet sie zurzeit nicht nur mit freundlichen Grüßen, sondern mit der Zeichnung eines sympathisch lächelnden, sehr dicken Mannes in rotem T-Shirt, der aussieht wie ein Lkw. „Der Brummi bringt’s auch in schwierigen Zeiten…“ steht unter der Signatur der Spedition Kobernuss in Uelzen.

Betroffenheit in der Branche ist unterschiedlich

Hubertus Kobernuß, Vizepräsident unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg, arbeitet seit 40 Jahren in der Logistikbranche. Er ist Vorsitzender der Fachvereinigung Güterverkehr Niedersachsen und Aufsichtsratsmitglied im Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). „Unsere Branche ist ganz unterschiedlich von der Krise betroffen“, sagt Kobernuß. „Während Bereiche wie Lebensmittel weiter liefen und das Stückgut durch Paketsendungen stieg, lagen im technischen produzierenden Gewerbe teilweise ganze Betriebe und Flotten still.“

Laut Bundesamt für Güterverehr gab es Anfang Juni zwar „leichte Verbesserungstendenzen“, von „Horrorzahlen“ spricht aber der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) in Bezug auf die Handelseinbußen durch die Corona-Krise.

Große Verlader versuchen, Preise zu drücken

Kobernuß blickt zwar lieber nach vorne als zurück. Aber eines lässt den Spediteur schlecht schlafen. „Große wie auch mittelständische Verlader versuchen, die Krise zu nutzen und die Preise zu drücken, teilweise um 15 Prozent. Das ist eine Schweinerei. Es macht die vielen kleinen Familienunternehmen kaputt, unser Rückgrat.“

Als Branchenvertreter lobt Kobernuß aber ausdrücklich die Bundesregierung. „Sie hat schnell gehandelt und unsere Ratschläge angenommen“, sagt der Spediteur. So wurde das Sonntagsfahrverbot für Lkw aufgehoben, die Lenkzeiten für Fahrer wurden verlängert. Seine Forderung: „Wir wollen, dass die eingeführten Kontrollen fortgesetzt werden, es hat vorher viel zu wenig Kontrollen der Kabotagefahrten gegeben. Die Folgen waren ein verzerrter Wettbewerb und Sozialdumping durch osteuropäische Unternehmen.“

Mehr Kontrollen beim Mindestlohn nötig

Foto: ihklw/tonwert21.de Armin Klein, Geschäftsführer der Sigismund Klein Speditionsgesellschaft in Celle kritisiert, dass der Mindestlohn nicht durchgesetzt werde, wenn Speditionen mit Sitz in Osteuropa innerdeutsche Transporte abwickeln.

Genau dort setzt die Kritik seines Branchenkollegen Armin Klein an. Der Geschäftsführer der Sigismund Klein Speditionsgesellschaft in Celle sagt: „Jetzt treten Versäumnisse der Politik zutage, die es seit Jahren gibt.“ Klein nennt das Beispiel Mindestlohn: Wenn Speditionen mit Sitz in Osteuropa innerdeutsche Transporte abwickeln, also Kabotagefahrten, werde die Einhaltung des Mindestlohns nicht durchgesetzt. „Bulgarische, rumänische oder philippinische Kraftfahrer arbeiten für weniger als 70 Euro am Tag“, sagt Klein. „Unsere Lohnkosten in Norddeutschland liegen 100 Euro darüber.“

Umsatzrückgänge von 20 bis 30 Prozent und hohe Fixkosten: Was für die Logistikbranche ohnehin gilt, zeigt sich zurzeit mehr als deutlich. Es ist das hohe Insolvenzrisiko. „Für fast ein Viertel meiner Kollegen ist die Krise existenzbedrohend“, sagt Armin Klein. Der Spediteur ist seit 30 Jahren im Geschäft, er fordert mehr Aufmerksamkeit und Sachverstand von der Politik. Anstelle der geplanten CO2-Steuer auf den Kraftstoff will der Unternehmer eine CO2-Maut: „Die müssen dann alle zahlen – und nicht nur die, die in Deutschland tanken.“