Jetzt regionale Geschäfte unterstützen

Blick in ein Schaufenster, in dem auf weißen Herzen
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Zusammenhalten in der Krise: Unternehmen und Initiativen rufen Kunden dazu auf, die lokale Wirtschaft zu unterstützen.

„Gehen Sie zu Ihrem Bäcker. Es ist scheißegal wie der heißt, gehen Sie einfach hin, Sie retten damit Arbeitsplätze.“ Mit tränenerstickter Stimme appellierte Bäckermeister Gerhard Bosselmann aus Hannover am 20. März via Facebook an seine Kunden. Zu diesem Zeitpunkt bestimmt die Corona-Pandemie bereits das öffentliche Leben in Deutschland, Geschäfte müssen schließen, Unternehmer bangen um ihre Existenz – und Bosselmanns Botschaft spricht vielen anderen aus der Seele: #supportyourlocals.

Der Hashtag trendet seit Beginn der Corona-Krise, Bosselmanns Video verbreitet sich binnen kürzester Zeit im Netz, Medien greifen die Botschaft auf, ebenso viele andere Unternehmen, Initiativen und Institutionen.

„Die regionale Wirtschaft braucht aktuell mehr denn je jede Art der Unterstützung. Daher informieren und beraten wir als IHKLW nicht nur über Förderprogramme und weitere Hilfsangebote: Über unsere Facebookseite teilen wir Ideen und Angebote regionaler Unternehmen und werben dafür, sie zu unterstützen“, sagt IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. „Es freut mich, dass diese Angebote auf positive Reaktionen stoßen und viele Menschen sich solidarisch äußern.“

Ergänzend zu den vielen Initiativen vor Ort, hat sich die IHKLW jetzt der Initiative FAIRzichten angeschlossen: Ob Tickets für ein abgesagtes Konzert, der gezahlte Monatsbeitrag im Fitnessstudio oder den Gutschein für den nächsten Einkauf im Lieblingsladen: Über die Plattform www.wir-fairzichten.de können Verbraucher einfach und unbürokratisch auf einen Teil ihrer gesetzlichen Erstattungsansprüche FAIRzichten.

Wolfsburg startet Kampagne „Stadt voll Helden“

Um eine bestmögliche Übersicht aller aktuell verfügbaren Bestell- und Lieferservices der heimischen Wirtschaft zu schaffen, hat die Wolfsburg Wirtschaft und Marketing GmbH (WMG) unter marktplatz.wmg-wolfsburg.de eine Online-Marktplatz eingerichtet. „Die Plattform soll dazu beitragen, dass Kunden und Händler in der jetzigen Situation verbunden bleiben und Umsatzeinbußen zumindest teilweise abgefedert werden können,“ teilen die die WMG-Geschäftsführer Jens Hofschröer und Dennis Weilmann mit.

Der Online-Marktplatz ist ein wesentlicher Teil der WMG-Kampagne „Stadt voll Helden – statt vollisoliert“. Mit dieser Initiative appelliert die WMG in den sozialen Medien unter #stadtvollhelden an den Zusammenhalt aller Wolfsburgerinnen und Wolfsburger und die gegenseitige Rücksichtnahme in dieser für alle gleichermaßen ungewöhnlichen Situation.

Lokale Händlerplattform in Celle

Die Stadt Celle hat mit www.celle.de/kaufregional ebenfalls eine lokale Händlerplattform auf die Beine gestellt, auf der die ortansässigen Unternehmen ihre Angebote online platzieren können. „Die Celler können so die Betriebe vor Ort unter dem Motto #kaufregional unterstützen und weiterhin wie gewohnt regional einkaufen“, sagt Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge. Die Idee solle dazu beitragen, die Folgen der Geschäftsschließungen für Unternehmen abzufedern.

Wer einen Abholservice oder einen Lieferdienst einrichten möchte, wird über www.celle.de/kaufregional auf das Anmeldeformular auf die Homepage der Celle Tourismus Marketing GmbH weitergeleitet. Dort kann jeder seine Angaben zum eigenen Betrieb machen – werktags soll das entsprechende Angebot innerhalb von 24 Stunden online zur Verfügung stehen.

Aber auch hier gilt: Alles, was zur Ansammlung von vielen Menschen führen könnte, ist zu vermeiden, betont die Stadt Celle. Mit Bestellungen per Telefon oder E-Mail und Bezahlung per Überweisung, PayPal oder mobilem Cash-Gerät sei der Verkauf auch ohne Kontakt möglich.

Kaufhaus Lüneburg wächst

In Lüneburg hat die Medienhaus Lüneburg GmbH schon vor einigen Jahren mit dem „Kaufhaus Lüneburg“ eine lokale Händlerplattform gestartet: Unter www.shop-lueneburg.de finden Kunden Produkte von lokal ansässigen Einzelhändlern. Wegen der Corona-Krise hat das Medienhaus Lüneburg jetzt ein Hilfsangebot entwickelt, bei dem die Händler ihre Waren ohne Fixkosten in den Shop einstellen können. „Bis zum Verkauf bleibt alles kostenlos, lediglich für Abwicklung und Versand berechnen wir 15 Prozent des Verkaufspreises“, sagt Thomas Grupe,  Bereichsleiter Märkte beim Medienhaus Lüneburg. Schon sechs neue Händler hätten das Angebot angenommen und auch auf seiten der Kunden habe sich die Nachfrage erhöht, die Transaktionen seien um mehr als 60 Prozent gestiegen.

„Mit Blick auf die echten Abverkaufsmengen können wir uns zwar nicht mit den großen im Onlinehandel vergleichen, das war auch nie das Ziel“, sagt Grupe. „Vielmehr setzen wir auf Themen wie Vertrauen, persönliche Beratung und nach Möglichkeit nicht vergleichbare Artikel kombiniert mit einer Verlängerung der Ladentheke für den lokalen stationären Händler.“

Hilfsgutschein in Uelzen und Winsen  

In der Hansestadt Uelzen können Kunden die rund 50 teilnehmenden Geschäfte mit dem neuen Stadtgutschein unterstützen. Damit der Stadtgutschein zum Hilfegutschein wird, appelliert Stadtmarketingleiter Alexander Hass: „Kaufen Sie bitte jetzt nicht alles online. Es wäre ein wichtiges Zeichen, Dinge wie Kleidung und Technik lieber in der Zeit nach dem Virus zu kaufen und zwar in unserer Stadt: Jetzt bezahlen, später einlösen hilft!“ 

Anders als beim normalen Stadtgutscheinsystem können beim Hilfegutschein die Beträge nur bei dem jeweils gewählten Anbieter eingelöst werden. Unter www.stadtgutschein-uelzen.de können sich die Kunden ihr Lieblingslokal oder Geschäft aus Uelzen und Umgebung aussuchen, den gewünschten Betrag wählen und den Gutschein später einlösen. Das Geld ist innerhalb weniger Tage auf dem Konto des Einzelhandels oder der Stammkneipe. Unternehmen, die noch nicht im Gutschein-Netz vertreten sind, können sich kostenfrei online anmelden. 

Aktion #Brückengutschein in Salzhausen

Auch in Winsen im Landkreis Harburg können Kunden jetzt unter www.winsen-gutschein.de Gutscheine für ausgewählte Geschäfte kaufen, der Gutscheinbetrag kommt dem jeweiligen Geschäft sofort zugute. Gewerbetreibende aus dem Einzelhandel, der Gastronomie oder aus dem Bereich Dienstleistungen können sich ab sofort unter www.winsen-gutschein.de registrieren. Das System ist für Sie kostenlos nutzbar, lediglich die Transaktionsgebühren der genutzen Online-Zahlungsanbieter wie PayPal  können nicht erlassen werden, heißt es von der Stadtverwaltung. Die Stadt kooperiert bei dem Gutschein mit dem Anbieter Zmyle, der für Gewerbetreibende Informationen auf seiner Homepage bündelt.

Auf ein Gutscheinsystem setzt auch Salzhausen, genauer auf die Aktion #Brückengutschein. Der Salzhausen e.V. ruft die Menschen in der Gemeinde auf: „Unterstützen Sie die Betriebe mit dem Kauf eines Gutscheins und teilen Sie die Idee außerdem mit Ihren Freunden, damit uns auch in Zukunft eine lebendige Samtgemeinde erhalten bleibt.“ Über die Website brueckengutschein.salzhausen-ev.de sind die teilnehmenden Geschäfte gelistet. Kunden können über die Liste ein Unternehmen auswählen, überweisen den gewünschten Gutscheinbetrag direkt an die angegebene Bankverbindung und legen den Gutschein beim nächsten Einkauf vor. 

Jan Weckenbrock, IHKLW-Berater für Stadtentwicklung, freut sich über die vielen Initiativen: „Jeder, der jetzt vor Ort bestellt und Gutscheine kauft, hilft den regionalen Unternehmen, die Krise zu bewältigen.“ Diese Art der Unterstützung sei wichtig, um auch nach der Corona-Krise wieder vor Ort einkaufen zu können. Weckenbrock: „Die Botschaft der IHKLW-Aktion „Heimat shoppen“ ist zurzeit aktueller denn je.“ Um den stationären Handel zu stärken, rufen zahlreiche Geschäfte und Initiativen in diesem Jahr am 11. und 12. September zum Heimat shoppen auf.

umwelt

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