Teamwork spielerisch erleben

Fünf Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Geschlechts beim Tauziehen.
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Ob im Sport oder in der Wirtschaft: Teams können gemeinsame Ziele nur erreichen, wenn die Zusammenarbeit im sowohl fachlich als auch menschlich funktioniert.

Ob es um Entscheidungen geht oder Konflikte, Krisen oder den ganz normalen Stress des Alltags: Wer sein Team weiterentwickeln möchte, muss die aktuelle Situation immer wieder in den Blick nehmen und verstehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Sportmannschaft oder um eine Abteilung im Betrieb handelt: Gemeinsame Ziele können nur erreicht werden, wenn Zusammenarbeit im Team sowohl fachlich als auch menschlich funktioniert. Was aber können Teams in Unternehmen von Mannschaften im Profisport lernen?

Porträt Heinz Wübbena Dr. Heinz Wübbena ist Experte für die Weiterentwicklung von Teams in Sport und Wirtschaft.

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Viele der Dynamiken aus dem Sport sind auch in der Wirtschaft relevant. In Teams geht es um Freiwilligkeit, Selbstorganisation und selbst verteilte Verantwortung. Der promovierte Sportpsychologe Heinz Wübbena aus Winsen/Aller hat die iGPM-Teamdia-gnose ursprünglich für den Sport entwickelt und später auf Teams in Unternehmen übertragen. Hier verrät er drei wichtige Aspekte aus seiner jahrelangen Erfahrung in der Arbeit mit Teams.

Kommunikation und Feedback

„Das Prinzip von ,One size fits all‘ funktioniert nicht, wenn es um Rückmeldungen von Führungskräften ans Team geht“, sagt Wübbena. „Genauso wie Spielerinnen und Spieler haben auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedliche Bedürfnisse und möchten unterschiedliches Feedback bekommen – auch wenn wir es in der Wirtschaft nicht wie im Profisport mit 20 Menschen aus zehn unterschiedlichen Kulturkreisen zu tun haben.“ So sorge Persönlichkeit und Sozialisation für unterschiedliche Erwartungen an die Kommunikation.

Ungelöste Konflikte

Ungelöste Konflikte, die nicht zeitnah sichtbar gemacht oder besser noch geklärt werden, haben laut Wübbena eine sehr unangenehme Eigenschaft: „Sie werden unter der Oberfläche immer größer.“ Je länger keine Klärung herbeigeführt werde, umso gefährlicher könne die Situation für die gemeinsame Arbeit werden, aber auch für das soziale Miteinander. „Hat das Team ein Werkzeug, um Konflikte sichtbar zu machen, ohne sich gegenseitig zu verletzen oder individuelle Schuldzuweisungen auszusprechen, können alle Mitglieder gleichermaßen zu konstruktiven Lösungen beitragen“, sagt der Sportpsychologe.

Verhalten in Drucksituationen

„Häufig sind es immer dieselben Personen, die für andere einspringen und Fehler ausbügeln“, weiß Wübbena aus Erfahrung. „In einer falsch verstandenen Solidarität werden solche Mechanismen aber nicht offengelegt und verbessert, obwohl sie die Teammoral immer wieder untergraben.“ Wer zum Beispiel übernimmt immer wieder die Verantwortung, wenn ein Rückstand aufzuholen ist? Halten sich alle an die abgestimmten Prozesse? Tauchen bestimmte Kollegen immer wieder ab, wenn es besonders stressig wird? Eine regelmäßige Selbstüberprüfung könne helfen, die Teamleistung und das Arbeitsklima nachhaltig zu verbessern.

Teams in Sport und Wirtschaft

Das IHKLW-Netzwerk Arbeit – Zukunft bietet mit dem Sportpsychologen Dr. Heinz Wübbena am Mittwoch, 23. Juni, 14 bis 17 Uhr, eine Outdoor-Veranstaltung mit Hygienekonzept an. Das Thema: „Interaktive Teams in Sport und Wirtschaft“. Dabei werden die Teilnehmenden in vier Gruppen aufgeteilt und lassen sich auf ein Experiment auf einem Beachvolleyballfeld ein. Vier Coaches aus dem Sport arbeiten mit den Gruppen – es geht um Rollenverteilung, gemeinsame Entscheidungen und die Lösung einer gemeinsamen Aufgabe. Jeder und jede Einzelne wird danach auf dem Smartphone eine Bewertung des Gruppenprozesses abgeben, Wübbena und sein Team erstellen daraufhin für jede Gruppe eine Teamdiagnose. Weitere Informationen bei Kirstin Borgwardt, Tel. 04131 742-476 und unter ihklw.de/Arbeit-Zukunft-TeamSportWirtschaft-Jun21.