Teppiche, Möbel und Geschichten

Antiquitätenhändler Henning Hille sitzt mit seinem Hund auf dem Schoß in seinem Kunst- und Auktionshaus.
Foto: tonwert21.de
„Kein normaler Kaufmann“: Henning Hille sagt von sich, eher aus dem Bauch raus zu handeln.

Es gibt Gegenstände, die mehr sind als ein Ding. Wer das Kunst- und Auktionshaus in Bad Bevensen betritt, bekommt eine Ahnung davon. Das liegt nicht nur an den ausgefallenen Teppichen und Möbeln, die hier versammelt sind, sondern auch am Inhaber: Henning Hille ist mehr als ein Antiquitätenhändler. Er kennt die Geschichten hinter den Dingen. Und er erzählt sie gerne. Etwa die zu dem antiken Sattel. „Den habe ich 1963 bei einem Händler in Teheran entdeckt und 1969 endlich bekommen. Er ist mit Kamelknochenscheiben beschlagen – eine überaus kunstvolle Handarbeit“, erzählt der 79-Jährige. Antike Teppiche sind für den Kenner weit mehr als ein Bodenbelag: „Das sind Kunstwerke von Leuten, die weder lesen noch schreiben konnten, aber ihr enormes Kunstgefühl in so ein wunderschönes Stück hineingelegt haben.“

Abenteurer, Kunstliebhaber, Handwerker und Autodidakt. Viele Etiketten bieten sich für den Mann an, der von sich selbst sagt: „Ich habe zwei rechte Hände.“ Und weiter: „Ich bin kein normaler Kaufmann. Ich handle mehr aus dem Bauch raus, genau wie die Orientalen.“ Was auf jeden Fall stimmt: Hille war schon immer ein extrem geschickter Tüftler, baute mit zwölf Jahren ein Boot und mit 13 eine Gitarre. Er studiert Kunstgeschichte  und Völkerkunde eher lustlos, sagt von sich: „Ich wollte immer weg aus dem normalen Leben.“ Das gelingt ihm in Persien, wo Hille in den Sechziger Jahren in eine Kultur eintaucht, die ihn fasziniert. Er durchstreift das Land, setzt sich im Basar unter die Teppichhändler und saugt ihr Wissen begierig auf. Um den Lebensunterhalt zu sichern, wird der Deutsche zum „fliegenden Händler“, der persische Teppiche nach Deutschland und deutsche Autos in den Orient transportiert.

1968 lässt sich Hille in Bevensen mit einem Teppichhandel nieder. Er wird rasch bekannt für seine Kontakte, seine hochwertigen Kollektionen und sein Können als Restaurator. Denn nebenher arbeitet er antike Möbel auf und setzt dabei alte Techniken und Materialien ein. „Ich war damals einer der ersten, der das gemacht hat. Das lief von ganz allein“, sagt Hille. „Ein barockes Möbelstück und ein wertvoller Teppich gehörten schließlich in jeden Haushalt, der etwas auf sich hielt.“ Kunden bieten ihm alte Erbstücke an, er kauft auf, was in den Scheunen und Häusern herumsteht. Auch Museen schätzen seine Expertise, wenn es darum geht, historische Stücke in ihren Originalzustand zurückzuversetzen. „Wenn die beschädigten Schlüsselschilder an der Biedermeierkommode aus Ebenholz waren, dann haben wir die auch aus Ebenholz nachgebaut.“ Mit dem Umzug an die Medinger Straße gewinnt das wachsende Geschäft ausreichend Platz für Ausstellungsraum, Werkstatt und zeitweise bis zu sechs Angestellte. Dazu unterrichtet Hille an der Lüneburger Handwerkskammer angehende Restauratoren und versteigert Nachlässe. Zu seinen monatlichen Geschäftsauktionen strömen hunderte Interessierte.

Mittlerweile ist es ruhiger geworden im Bevenser Kunsthaus. Die letzte größere Nachlassauktion hat Hille vor acht Jahren durchgeführt. Das Internet hat sich längst als digitaler Basar etabliert, auf dem auch um Raritäten weltweit gefeilscht wird. Seine Dienste als Restaurator sind jedoch gefragt wie immer. „Ich habe volles Programm“, sagt Hille mit Blick auf die gute Auftragslage. Was ihn schmerzt: „Die Wertschätzung für alte Handwerkskunst geht verloren. Keiner fragt mehr: Warum sehen Möbel so aus, wie sie aussehen?“  Wer das doch tut, der ist bei Hille an der richtigen Adresse, an der es das wirklich Besondere und Einzigartige noch zu kaufen gibt. Die Geschichte dazu gibt’s gratis obendrauf.