Tipps zur Beschäftigung von Geflüchteten

Geflüchteter schüttelt jemandem im Büro die Hand
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Die meisten Geflüchteten sind hochmotivierte Arbeitskräfte, die sich dauerhafte Perspektiven wünschen.

Nach der großen Flüchtlingswelle 2015, stellte sich für Unternehmen schnell die Frage: Können wir mit Unterstützung dieser Menschen dem Fachkräftemangel erfolgreich begegnen? Auf jeden Fall bedeuten die Geflüchteten ein enormes Potenzial, das Sie nicht außer Acht lassen sollten. Mittlerweile haben Tausende einen Integrationskurs erfolgreich beendet und ein Sprachniveau erreicht, auf dem sich aufbauen lässt. Der Großteil der Geflüchteten ist hoch motiviert, sich durch Arbeit eine dauerhafte Perspektive in Deutschland zu schaffen – sei es durch Praktika, Einstiegsqualifizierungen, Ausbildungen oder eine Festanstellung.

Was Sie als Unternehmer und Personalverantwortlicher beachten müssen, wenn Sie Geflüchtete beschäftigen wollen, verrät IHK-Willkommenslotsin Susanne Schumacher.

1. Wen darf ich einstellen?

Die meisten Geflüchteten können Sie einstellen – allerdings hängt es vom Aufenthaltsstatus der Person ab, ob Sie dabei die Ausländerbehörde einbeziehen müssen oder nicht.

  • Flüchtlinge, die das Asylverfahren erfolgreich durchlaufen haben, können Sie genauso einstellen wie deutsche Mitarbeiter oder Auszubildende. Sie müssen dabei keine Besonderheiten beachten. Der Status lautet „asylberechtigt“.
  • Geflüchtete, die sich noch im Asylverfahren befinden, sind „Asylbewerber“. Sobald sie drei Monate in Deutschland sind, dürfen auch sie arbeiten – allerdings muss hier im Vorfeld die Ausländerbehörde der Aufnahme einer Beschäftigung zustimmen.
  • „Geduldete“ sind Personen, deren Asylantrag abgelehnt wurde, die jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht abgeschoben werden können und dann ebenfalls arbeiten dürfen. Auch hier müssen Sie vor Arbeitsbeginn die Zustimmung der Ausländerbehörde einholen.
  • Nicht beschäftigen dürfen Sie Geflüchtete aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten, deren Asylantrag nach dem 31. August 2015 gestellt wurde. Als „sicher“ eingestuft sind derzeit die Balkanstaaten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien und Montenegro sowie die afrikanischen Staaten Ghana und Senegal. Der Bundesrat entscheidet demnächst über die Einstufung von Algerien, Georgien, Marokko und Tunesien.

2. Woran erkenne ich den jeweiligen Aufenthaltsstatus?

Lassen Sie sich das Ausweisdokument zeigen. Dort ist aufgeführt, ob eine Beschäftigung erlaubt ist oder nicht. Beim Hinweis „Beschäftigung nicht gestattet“, dürfen Sie den Geflüchteten nicht einstellen. „Beschäftigung nur mit Genehmigung der Ausländerbehörde“ bedeutet, dass Sie die Zustimmung der Behörde im Vorfeld einholen müssen.

3. Darf ich einen Arbeits- oder Ausbildungsvertrag ausstellen, bevor die Ausländerbehörde zugestimmt hat?

Für Asylbewerber und Geduldete dürfen Sie entsprechende Verträge ausstellen, noch bevor die Ausländerbehörde der Beschäftigung / Ausbildung zugestimmt hat. Aber Vorsicht: Tatsächlich arbeiten darf die Person erst dann bei Ihnen, wenn die behördliche Zustimmung vorliegt.

4. Wie lange habe ich Beschäftigungssicherheit?

Wenn Sie einen Auszubildenden mit Fluchthintergrund beschäftigen, gilt für diesen die sogenannte „3+2-Regelung“. Die „3“ steht dabei für die Dauer der Ausbildung – in der Regel drei Jahre. Es kann sich jedoch auch um zwei oder dreieinhalb Jahre handeln. „+2“ besagt, dass im Anschluss an die bestandene Ausbildung der Geflüchtete noch zwei weitere Jahre bei Ihnen arbeiten kann. Danach kann er eine Niederlassungserlaubnis beantragen und damit dauerhaft in Deutschland bleiben. Eine erfolgreich absolvierte Ausbildung ist demnach eine solide Grundlage für ein dauerhaftes Bleiberecht.

Achtung: Während der „3“ Jahre der Ausbildung muss der Geflüchtete an der Feststellung seiner Identität aktiv mitwirken, sofern er keinen gültigen Pass hat. Versäumt er diese Mitwirkungspflicht, so kann er trotz „3+2“ abgeschoben werden. Für Sie bedeutet das: Fragen Sie Ihren Azubi zwischendurch immer wieder, was er tut, um seiner Mitwirkungspflicht nachzukommen.

5. Welchen Vorteil bietet eine Einstiegsqualifizierung?

Die Einstiegsqualifizierung (kurz: „EQ“) ist ein Langzeitpraktikum. Eine EQ dauert sechs bis zwölf Monate und dient dem gegenseitigen Kennenlernen, bevor man sich für eine Ausbildung entscheidet. Als Unternehmen erhalten Sie dabei von der Agentur für Arbeit 231 Euro monatlich, die Sie an den Azubi weiterreichen müssen. Zusätzlich erhalten Sie von der Agentur 116 Euro als Zuschuss zu den Sozialversicherungskosten. Weitere Informationen bündelt unsere IHK unter ihk-lueneburg.de/eq.
Von der EQ profitieren beide Seiten: Sie können sich ein Bild davon machen, ob Sie den Geflüchteten im Anschluss in ein Ausbildungsverhältnis übernehmen möchten. Der Geflüchtete wiederum darf während der EQ die Berufsschule besuchen und kann diese ohne Notendruck kennen lernen. Er hat Zeit, sich mit dem Betrieb und den Ausbildungsanforderungen vertraut zu machen. Dieses Modell praktizieren bereits etliche Betriebe in unserem IHK-Bezirk mit Erfolg.

Vorsicht: Sie dürfen nur dann eine EQ beginnen, wenn Sie den Geflüchteten nicht schon vorher sozialversicherungspflichtig beschäftigt haben.

6. Wer unterstützt mich bei weiteren Fragen?

IHK-Willkommenslotsin Susanne Schumacher IHK-Willkommenslotsin Susanne Schumacher

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IHK-Willkommenslotsin Susanne Schumacher bringt Unternehmen und Geflüchtete zusammen und unterstützt Unternehmen bei allen Fragen zum Thema Beschäftigung von Geflüchteten. Zu erreichen ist sie unter Tel. 04131 742-199 oder susanne.schumacher@lueneburg.ihk.de. Susanne Schumacher besucht Sie auch gern in Ihrem Unternehmen.