Unter Strom

Eine Illustration zeigt auf grünem Grund ein weißes Kabel, das ein Auto formt und am Ende in einen Stecker mündet.
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Ein reines E-Fahrzeug fährt 100 Prozent elektrisch und während der Fahrt emissionsfrei. Zu den Hauptbestandteilen gehören die Hochvoltbatterie, ein E-Motor und ein Ladegerät.

Für den Klimaschutz wurden internationale und nationale Ziele zur CO2-Emission vereinbart. So sollen in Deutschland die Treibhausgas-Emissionen bis zum kommenden Jahr um mindestens 40 Prozent und bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber den Emissionen von 1990 sinken. Um diese Ziele noch annähernd erreichen zu können, muss sich auch der Straßenverkehr ändern. Fossile Kraftstoffe sollen in den nächsten 30 Jahren durch emissionsfreie Energien ersetzt werden. Schwerpunkt ist der Ausbau der Elektromobilität.

Doch sind E-Autos tatsächlich umweltfreundlicher als Benziner und Dieselfahrzeuge? Ist die Technologie alltagstauglich und wie viel kostet sie diejenigen, die umsteigen? Und was bedeutet Elektromobilität für die deutsche Autoindustrie – ist sie in Zeiten von Dieselbetrug und Kartellverdacht Fluch oder Segen? Außer der Elektromobilität sieht sich die Automobilindustrie mit zwei weiteren disruptiven Entwicklungen konfrontiert: dem autonomen Fahrzeug und dem Trend zum Carsharing. Höchste Zeit also, dass sich nahezu alle Hersteller mit den neuen Technologien beschäftigen.

Marktanteil

Weltweit wurden 2017 etwa 1,2 Millionen Elektroautos zugelassen, mehr als die Hälfte davon in China. Dort stieg die Anzahl der Neuzulassungen von Elektroautos im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 70 Prozent, ihr Anteil an allen Neuzulassungen in China betrug allerdings nur 2,7 Prozent. Im gleichen Jahr stieg die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland um 100 Prozent auf 58.000.

2018 wurden in China mehr als 720.000 Fahrzeuge mit Elektromotor verkauft, eine Steigerung zum Vorjahr von 80 Prozent. Davon waren 540.000 reine Elektroautos, während der Rest Hybridfahrzeuge sind. Der Marktanteil bei den Neuzulassungen lag damit bei 3,5 Prozent. 90 Prozent der dort verkauften Modelle stammen von chinesischen Herstellern.

Antrieb

Während früher auch Bleiakkumulatoren verbaut wurden, werden heute Lithiumbatterien verwendet, VW etwa verwendet die sogenannte Lithium-Ionen-Technologie.

Volkswagen will zusammen mit dem schwedischen Startup Northvolt eine eigene Zellenfabrik aufbauen. 

Viele Zweifler fürchten, dass die deutsche Auto-Industrie abhängig werden könnte von Batterielieferanten aus Asien, die bislang führend sind auf dem Gebiet. Auch für die Ökobilanz der e-Autos ist diese Konstellation nicht gut, denn der Transport der schweren Zellen ist aufwändig. Bislang konnten sich europäische Autohersteller und Zulieferer wegen der hohen Kosten nicht dazu durchringen, eine eigene Produktion aufzubauen. Doch auch mit Hilfe von EU-Fördermitteln kommt jetzt offenbar Bewegung in den Markt. Volkswagen hat verkündet, den Aufbau einer Zellenfabrik gemeinsam mit dem schwedischen Startup Northvolt vorantreiben zu wollen und sich mit weiteren Partnern zu einem Verbund zusammenzuschließen. Ende 2018 hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier außerdem Kooperationen mit Polen und Frankreich angekündigt, um gemeinsame Zellenproduktionsstätten, unter anderem in der Lausitz, zu schaffen.

Reichweite

Das Leichtelektromobil „Horlacher Sport I“ für zwei Personen fuhr 1992 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 55,4 km/h und einer Batterieladung stolze 547 Kilometer. Der monegassische Sportwagen Venturi Fétish (zwischen 2007 und 2015 auf dem Markt) schaffte mit Lithium-Ionen-Akkuzellen und 245 PS zwar eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h, aber nur eine Reichweite von 250 Kilometern.

In einem Vergleichstest des ADAC vom Herbst 2018 schnitt die Marke Tesla besonders gut ab. Die Modelle X 100D und S P90D schafften mit ihren sehr großen Batterien (laut Hersteller 100 und 90 kWh) 451 bzw. 393 Kilometer. Doch auch ein Elektroauto mit kleiner Batterie, der Renault Zoe (41 kWh)schaffte immerhin 243 Kilometer. Der VW e-Golf (35,8 kWh) schaffte im ADAC-Test eine Reichweite von 201 Kilometern. Das kleinste getestete Elektroauto, der Smart Fortwo Coupé EQ Prime (17,6 kWh), fuhr 112 Kilometer.

Infrastruktur

Geladen werden können e-Autos an öffentlichen Ladestationen, die es an vielen Tankstellen und auf öffentlichen Parkplätzen gibt. Bezahlt wird mit einer mitgelieferten Karte des Autoherstellers oder per App, über die die Stationen auch zu finden sind. Immer mehr Firmen und auch unsere IHK in Lüneburg bieten auf ihren Parkplätzen für Kunden kostenlose Ladestationen an.

Eine Schnellladestation kann innerhalb von 30 Minuten den Akku um die 80 Prozent aufladen.

Auch an einer sogenannten Wallbox, einer Hochleistungs-Steckdose für zu Hause kann mit dem mitgelieferten Ladekabel Strom „getankt“ werden. Je nachdem, ob an einer Wechselstrom- oder Gleichstromstation geladen wird oder an einer normalen Steckdose, unterscheidet sich die Ladezeit. Eine Schnellladestation kann innerhalb von 30 Minuten den Akku um die 80 Prozent aufladen. VW gibt die Ladezeit an der Steckdose für den e-Golf zum Beispiel mit 17 Stunden an.

In Europa werden seit Herbst 2016 Ultra-Schnellladesäulen mit 350 kW aufgestellt. Im März 2018 nahm der Windenergiekonzern Enercon die erste Ultraschnellladesäule mit 350 kW in Aurich (Ostfriesland) in Betrieb. An ihnen ist das Nachladen für eine Reichweite von 300 Kilometern innerhalb weniger Minuten möglich.

Stromverbrauch und -herkunft

Der Vorteil gegenüber Verbrennern wird beim Starten des Motors offensichtlich: e-Autos fahren mit dem vollen Drehmoment ab der ersten Sekunde. Doch wie effizient wird der geladene Strom genutzt? Der ADAC hat im Oktober 2018 Elektroautos unterschiedlicher Größe und Preisklasse getestet und dabei speziell auf Reichweite und Verbrauch geachtet. Das wenig überraschende Ergebnis: Größere und schwerere Fahrzeuge haben tendenziell einen höheren Stromverbrauch als kleinere und leichtere Pkws.

Das sparsamste Auto im ADAC-Vergleich, der Hyundai Ioniq Elektro, kommt auf einen sogenannten Ecotest-Verbrauch von 14,7 kWh auf 100 Kilometer. Wohingegen der Elektro-Transporter von Nissan, der e-NV 200 Evalia, mit 28,1 kWh fast doppelt so viel Strom auf gleicher Strecke verbraucht. Zum Vergleich: Ein Kühlschrank der besten Effizienzklasse benötigt laut Verbraucherzentrale Hamburg im Jahr rund 65 kWh Strom.

CO2-Bilanz

Der ADAC hat im März 2018 gemeinsam mit dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg die verschiedenen Antriebsarten von Pkws verglichen. Sie berechneten alle notwendigen Energieaufwendungen über den gesamten Lebenszyklus eines Pkws für insgesamt 150.000 Kilometer Laufleistung. Dazu gehören auch die CO2-Emissionen, die bei der Fahrzeugherstellung und dem anschließenden Recycling entstehen. Das Ergebnis: Es gibt aktuell keinen Antrieb, der generell die beste Klimabilanz aufweist.

Ob Diesel-, Benzin-, Hybrid- oder Elektromotor: Es gibt aktuell keinen Antrieb, der generell die beste Klimabilanz aufweist.

Das Problem: Selbst wer privat „Ökostrom“ gebucht hat, zapft hierzulande aktuell immer einen Strommix. der aktuell zu fast 70 Prozent aus fossilen Energiequellen oder Kernenergie stammt. Das vermiest den Elektroautos sozusagen die Gesamtbilanz.Bei den großen Autos würde das Elektroauto mit Nutzung von 100 Prozent regenerativem Strom besser als ein Dieselfahrzeug abschneiden. Beim Kleinwagen liegen Elektroautos, die einen Strommix nutzen, knapp vor den Autos mit Diesel-, Benzin- oder Hybridmotor. Mit 100 Prozent Strom aus regenerativen Quellen stoßen Elektroautos sehr viel weniger CO2 aus als die anderen. Bei einem Lebenszyklus von nur 50.000 Kilometern – wenn das Elektroauto zum Beispiel nur als Zweit- oder Stadtfahrzeug genutzt wird –verbraucht es mit einem Strommix aber sogar mehr als seine herkömmlichen Konkurrenten.

Kosten

Die Anschaffungspreise von Elektroautos sind im Vergleich zu Benzinern und Diesel-Fahrzeugen hoch. In der Gesamtkostenbetrachtung sind etwa die Hälfte der Elektroautos laut einem Vergleich des ADAC vom Oktober 2018 jedoch günstiger als vergleichbare Autos mit Benzin- oder Dieselmotor. In Bezug auf Reichweite und Verbrauch gibt es allerdings große Unterschiede. Bei der Frage „Wie viel Reichweite bekomme ich für mein Geld?“ schnitt der Hyundai Kona Elektro (64 kWh) im Vergleich der Elektrofahrzeuge am besten ab. Im Mittelfeld landete der VW e-Golf. Die getesteten Tesla-Modelle sind demnach ein teures Vergnügen.