Vom Mut zum märchenhaften Neustart

Porträt: Märchentherapeutin Katja Breitling
Foto: tonwert21.de
Plötzlich Klick gemacht: Durch Zufall erfuhr Katja Breitling von der Ausbildung zur Märchentherapeutin.

Zu ihrem Traumberuf Märchentherapeutin führte Katja Breitling der Zufall. Oder vielleicht war es auch Schicksal. Jedenfalls ist es 15 Jahre her, da arbeitete sie noch als PR- und Kongressmanagerin und lebte vor den Toren Hamburgs. Die Suche nach einem kulturellen Freizeitprogramm führte sie zum Märchenhof der Sozialpädagogin und Therapeutin Gudrun Böteführ. „Als ich sah, dass es dort eine Ausbildung zur Märchentherapeutin gibt, hat es plötzlich Klick gemacht“, sagt Breitling. „Es war mehr ein Bauchgefühl, aber ich wusste: Das ist es.“

 Kündigung als Auslöser zur Gründung

Als sie die nebenberufliche Ausbildung nach vier Jahren beendet, gibt das Schicksal ihr abermals einen Schubs. „Ich habe aufgrund der Insolvenz meines Arbeitgebers meinen Job verloren.“ Damit rückte die Entscheidung, sich als Märchentherapeutin selbstständig zu machen, in den Vordergrund. Aber könnte sie mit einem so exotischen Beruf ihren Lebensunterhalt sichern? Ganz auf ihr Bauchgefühl wollte Breitling dabei nicht vertrauen. Also ließ sie sich beraten, nutzte den Gründungszuschuss der Arbeitsagentur, den es für Existenzgründer damals gab, und stellte einer Steuerberaterin ihren Businessplan vor. „Es war eine eher nüchterne Frau, die mit Märchen nichts am Hut hatte. Deshalb war es wie ein Ritterschlag, als sie mir versicherte: Das wird was.“

Neue Aufgabe bringt Erfüllung

2007 wagt Breitling endgültig den Sprung in die Selbstständigkeit. Für sie endete damit eine langjährige Suche. Denn obwohl sie schon mit Anfang 30 auf eine erfolgreiche Karriere mit spannenden Projekten im In- und Ausland zurückblicken konnte, „hatte ich immer das Gefühl, dass der emotionale Teil von mir darin keine Erfüllung findet“, sagt Katja Breitling. So studierte die Suchende parallel zu ihrem Job Ethnologie, Journalistik und Indonesistik – und kam dabei erstmals seit ihrer Kindheit wieder mit Märchen in Berührung.

Faszination für Mythen und Märchen

„Die Mythen und Geschichten anderer Kulturen, vor allem die asiatischen Märchen, ihre Weisheit und ihre Symbolsprache, faszinierten mich.“ Und über die Märchen gelinge es, Menschen aufzuschließen und ihnen zu helfen, die Motive für ihr Handeln besser zu verstehen und sich selbst anzunehmen, sagt Breitling, die ausschließlich mit Erwachsenen arbeitet. Zu ihren Seminarteilnehmern zählen überwiegend suchtkranke Menschen, aber auch mit Themen wie betrieblichem Gesundheitsmanagement  und individuellem Resilienztraining befasst sich die Märchentherapeutin: „Ich habe meine Berufung zum Beruf machen dürfen und bin dafür sehr dankbar.“