Vom Volksempfänger bis ins digitale Zuhause

Gruppenbild Familie Royer
Foto: Frank Bierstedt
Die Weichen für die Zukunft ihres Unternehmens haben Peter und Elke Royer (v.r.) schon gestellt: Tochter Jasmin Royer und Ehemann Axel tragen schon lange Verantwortung im Betrieb und werden die Elektronik-Vertrieb Royer GmbH eines Tages übernehmen.

Als am 28. Oktober 1923 mit den Worten „Hier ist Berlin“ die Geburtsstunde des Rundfunks eingeleitet wurde, da ahnte kaum jemand, dass das Radio als neues Medium die Welt erobern würde. Überliefert ist zwar nicht, ob Fritz Rentschler dem Foxtrott lauschte, der bei der Premiere übertragen wurde, aber das enorme Potenzial der Erfindung  hatte der Mann fernab der Hauptstadt im beschaulichen Gifhorn früh erkannt.

Schon 1919 hatte er hier ein „Elektrotechnisches Büro“ eröffnet, in dem er Batterien verkaufte. Parallel fing er an, Stromleitungen zu Häusern und Höfen zu legen. Und er sicherte sich 1924 die erste „Genehmigung zur Errichtung und zum Betriebe von Rundfunkempfängern“. Deshalb kann Peter Royer heute mit Recht sagen: „Mein Großvater hat das Radio nach Gifhorn gebracht.“

Fernseher mit Expert-Jubiläums-Logo

Während Rentschler in den Dreißiger Jahren gute Geschäfte mit dem Verkauf von Volksempfängern machte, kam in der Nachkriegszeit der Fernseher dazu – anfangs kaum erschwinglich. 1954, dem Geburtsjahr seines Enkels Peter Royer, drückten sich die Leute vor dem Laden die Nase an der Schaufensterscheibe platt, um die Spiele der Fußball-WM zu verfolgen. Rentschlers Schwiegersohn Friedrich-Wilhelm Royer übernahm 1969. „Wir haben Fernseher, Radios, Plattenspieler und Schallplatten verkauft“, erinnert sich Peter Royer an seine Kindheit. Sechs verschiedene Fernsehmodelle zur Auswahl reichten vollkommen. „Das waren dicke Kisten aus Nußbaum, zwischen denen bin ich aufgewachsen.“  

Nach einer Doppel-Ausbildung als Radio- und Fernsehtechniker und als Einzelhandelskaufmann startete Peter Royer 1974 ins Berufsleben, schließlich setzte er noch ein Betriebswirtschaftsstudium obendrauf. Ein Unternehmen aus dem Bereich der Radio- und Fernsehtechnik  über 100 Jahre nicht nur am Leben gehalten, sondern erfolgreich angepasst zu haben, das ist in der Branche extrem selten. Royer ist es gelungen. Eine Schlüsselrolle spielen Kompetenz und Zuverlässigkeit, mit denen das Unternehmen seine Kunden schon immer überzeugte.

Wenn die Gifhorner einen Fernseher brauchten, dann gingen sie zu „Radio Rentschler“, weil sie wussten, dass hier Qualität und Service stimmten. Als mit dem Aufkommen der Großmärkte und Elektroketten viele der kleineren Händler vom Markt gefegt wurden, schloss sich Royer einem Handelsverbund an, blieb so als Einzelhändler konkurrenzfähig. 

Vor zwanzig Jahren dann nochmal ein Sprung: Royer zog von der Innenstadt unter das Dach des Real-Einkaufszentrums und firmiert hier seit 2013 als „Expert“-Markt.  Auf 1.200 Quadratmetern bietet er mit 25 Angestellten Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Computer und Zubehör an. Das breite Sortiment, der Standort und der starke Partner im Rücken – es läuft rund mit diesem Konzept.

„Die Frequenz ist hier natürlich größer als irgendwo auf der grünen Wiese“, sagt Royer, „die Leute schauen beim Wochenendeinkauf vorbei.“ Als „große Herausforderung“ bezeichnet der Händler den Einkauf im Internet. Auch hier fährt er eine klare Linie: „Man muss adäquate Preise bieten. Und das können wir.“ Obendrauf kommt das passende Servicepaket – heute fast noch wichtiger als früher. „Wir bringen den Fernseher auch ins WLAN und schließen Haushaltsgeräte an.“

Royer beobachtet vermehrt, dass Kunden sich wieder umorientieren: „Wer sich einmal geärgert hat, dass der neue Kühlschrank nur bis zur Haustür geliefert wird und jede Treppe extra kostet oder der Kundendienst für die kaputte Waschmaschine erst nach Wochen auftaucht, der kauft beim nächsten Mal wieder beim Händler vor Ort.“

In ein paar Jahren wollen sich Peter und Elke Royer aus dem Geschäft zurückziehen. Das Feld ist bestellt, Tochter Jasmin Royer und Ehemann Axel  tragen schon lange Verantwortung. Was man ihnen mitgeben kann? „Weiter in die Verkaufsmannschaft investieren“, sagt Royer. „So gut wie das Personal ist, so gut ist der Laden.“