Was radikale Innovatoren anders machen

drei weiße Papierflieger fliegen zum rechten Bildrand, ein roter Papierflieger fliegt nach oben. Der Hinterund ist blaub.
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Disruption, also Innovationen, die bisherige Geschäftsmodelle und Technologien ersetzen, kommt hierzulande weitaus häufiger vor als angenommen. Doch das ist nur ein Ergebnis der DIHK-Studie "„Wie disruptiv sind forschende Unternehmer? Zur Innovationskraft des deutschen Mittelstands“.

Hochinnovative Unternehmer sind durchschnittlich 50 Jahre alt, verfügen über eine hohe akademische Qualifikation und die Fähigkeit, eigenständig zu forschen und neue Produkte auf den Markt zu bringen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) mit dem Titel „Wie disruptiv sind forschende Unternehmer? Zur Innovationskraft des deutschen Mittelstandes“.

Ein weiteres Ergebnis: Disruption, also Innovationen, die bisherige Geschäftsmodelle und Technologien ersetzen, kommt hierzulande weitaus häufiger vor als angenommen, betont der Autor der Studie Dr. Reiner Nikula. Doch welche Unternehmertypen stehen hinter diesen Innovationen und wie gehen sie vor? Anders als schrittweise innovierende Unternehmer beauftragen radikale Innovatoren einen eigenen Unternehmensbereich mit der Innovation. Der Inhaber kümmert sich persönlich um diese Aufgabe, oder es ist die Daueraufgabe jedes Mitarbeiters, Innovation zu betreiben. Aufgrund ihres Bildungswegs sind radikale Innovatoren eng vernetzt mit Forschungseinrichtungen, arbeiten meist in kleinen Teams und bedienen Pioniermärkte oder Erstanwender.

Bis der Massenmarkt erreicht ist, kann es zum Teil Jahrzehnte dauern. Da die Marktdurchdringung erst noch bevorsteht, verzeichnen radikale Innovatoren (zunächst) geringere Umsätze. Kommt es zum Durchbruch, kann die Innovation jedoch disruptiv sein und ganze Märkte oder Geschäftsfelder komplett umkrempeln.

Doch ganz gleich ob radikale und schrittweise vorgehende Innovatoren, beide Gruppen beziehen gleichermaßen Partner aus Wirtschaft oder Wissenschaft ein (34 Prozent), haben die gleiche Entwicklungsdauer der Innovation bis zum marktfähigen Produkt (im Mittel 4,6 Jahre) und nutzen gewerbliche Schutzrechte zur Absicherung ihrer Novitäten (66 Prozent). Und auch eine sprunghaft gestiegene Nachfrage haben beide Innovatoren-Gruppen schon erlebt (66 Prozent). Was sich auch in dieser Studie erneut bestätigt: Innovationen werden größtenteils aus dem Tagesgeschäft finanziert, Gewinne reinvestiert, und zu einem deutlich geringeren Anteil über Fördermittel. Als Grund geben Unternehmen an, dass sie unabhängig bleiben möchten – unabhängig von vorgegebenen Fristen und Zeitfenstern, von zu vielen einschränkenden Vorgaben.

Innovation sei eben nicht planbar und brauche daher flexible Förderinstrumente, so Michael Petz, Leiter der gemeinsamen Innovationsförderung der IHK Stade für den Elbe-Weser-Raum und unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW): „Sinnvolle Fördermittel sind solche, die das Eigenkapital stärken.“ Das bestätigt auch der DIHK-Innovationsreport 2020: Demnach haben 72 Prozent der Unternehmen ihre Innovationen in den letzten zwei Jahren durch Eigenkapital finanziert. „Umso erfreulicher ist es, dass mit dem Forschungszulagengesetz 2020 die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung auch in Deutschland eingeführt wurde“, so Petz.