Wir brauchen unser weltweites AHK-Netz

DIHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer
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DIHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer

Die deutsche Wirtschaft lebt stark vom Export. In der Öffentlichkeit bekommen wir dafür oft Titel verliehen wie Export-Weltmeister oder Europameister. Wo stehen wir aktuell?

Beim weltweiten grenzüberschreitenden Handel kommt es wie im Sport darauf an, gut im Wettbewerb bestehen zu können. Anders als im Sport gibt es beim fairen wirtschaftlichen Wettbewerb unter allen Teilnehmern aber fast keine Verlierer, sondern nur Gewinner. Voraussetzung dafür ist, dass vernünftige Spielregeln möglichst weltweit verabredet und eingehalten werden.
Je weniger der grenzüberschreitende Austausch von Waren und Dienstleistungen dann durch Zölle oder andere Handelshürden gebremst wird, umso leichter finden Produkte und Dienstleistungen zu den bestmöglichen Preisen ihren Weg vom Hersteller zum Kunden. Deutsche Produkte sind dabei weltweit wegen ihrer Qualität sehr gefragt. Deshalb sind wir – nach China und den USA – auf Platz 3 der größten Warenexporteure der Welt.

Wie stark ist die deutsche Wirtschaft mit der Weltwirtschaft verflochten und damit auch anfällig für konjunkturelle Eintrübungen in anderen Regionen?

Mehr als jeder vierte Arbeitsplatz hierzulande hängt am Export. In der Industrie ist es sogar jeder zweite. Internationale Offenheit macht einen erheblichen Teil unserer Wertschöpfung und damit unseres Wohlstandes aus. Es kommen auch indirekte Effekte hinzu, die oft übersehen werden: In dem heftigen Handelsstreit zwischen den USA und China stehen auf beiden Seiten auch deutsche Unternehmen, die in diesen Ländern stark vertreten sind. Trotzdem ist ein Kennzeichen der deutschen Wirtschaft, dass wir weltweit sehr breit aufgestellt sind. Wenn ein deutscher Mittelständler grenzüberschreitend tätig ist, dann ist sein Unternehmen im Schnitt in fast zwanzig Ländern aktiv. Das schützt uns davor, dass eine regionale Krise in der Welt unsere Gesamtwirtschaft trifft. Wenn es aber globale Turbulenzen gibt und wir in eine Protektionismus-Spirale hineingeraten, dann spüren wir das in Deutschland natürlich besonders stark.

DIHK-Grafik "Das weltweite Netz der Auslandshandelskammern" DIHK-Grafik „Das weltweite Netz der Auslandshandelskammern“ auf einen Blick

Ist die deutsche Wirtschaft solchen Entwicklungen wehrlos ausgeliefert?

Die Unternehmen treffen keine politischen Entscheidungen, aber wir müssen unsere gemeinsamen Interessen einbringen. Die Industrie- und Handelskammern sind dabei nicht nur ein regional starker Faktor, sondern über den DIHK auch bei der Bundes- und Europapolitik ein relevanter Ansprechpartner für die Wirtschaft. Und über das vom DIHK koordinierte Netz der Deutschen Auslandshandelskammern (AHK) stehen wir weltweit für gemeinsame Interessen der deutschen Wirtschaft ein. Mittlerweile sind das mehr als 140 Büros in 92 Ländern. Dieses Netz ist in 125 Jahren gewachsen und hat sich immer wieder an die Bedürfnisse der grenzüberschreitend tätigen Wirtschaft angepasst. Die Unternehmen erhalten so die notwendige Unterstützung für ihre internationalen Geschäfte. Die aktuellen globalen Herausforderungen zeigen: Wir brauchen unser weltweites AHK-Netz mehr denn je. So etwas hat übrigens kein anderes Land. Das „Wall Street Journal“ hat das AHK-Netz deshalb als „Germany´s Secret Economic Weapon“ bezeichnet.

Woran liegt die starke Wirkung des AHK-Netzes?

An vielem. Wir sind nicht nur dort, wo alle hinwollen, weil es gerade brummt. Und wir verschwinden nicht aus einem Land, wenn es dort schwierig wird oder fast gar nichts mehr geht. Wir versuchen, frühzeitig Chancen zu entwickeln. Aktuell wächst das AHK-Netz besonders stark in Afrika.
Ein anderer Aspekt, ganz praktisch: Die AHKs tragen das System der dualen Berufsausbildung in die Welt. In Shanghai, Peking, in den USA, Mexiko sowie beispielsweise auch in Vietnam und Indien oder in vielen osteuropäischen Ländern können einheimische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutscher Unternehmen eine Ausbildung nach deutschen Standards absolvieren. Viele Länder haben daran großes Interesse, auch wenn das vielerorts ein schwieriger Prozess ist. Denn bei uns investieren die Unternehmen selbst enorm in die Ausbildung, der Staat finanziert die Berufsschulen und die Kammern kümmern sich um die Standards. Es ist spannend, dass wir das auch global weiter entwickeln können.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am AHK-Netz für die Unternehmen?

Als Unternehmer weiß ich: Eine gute Geschäftsidee zu haben, ist das eine, sie auf den Markt zu bringen, ist eine andere Sache. Im AHK-Netz können die Unternehmen auf die langjährige Expertise unserer AHK-Kollegen zurückgreifen, die sich vor Ort als Erfolgsberater verstehen. Das geht von Einstiegstipps in neue Märkte bis hin zur Rechts- und Steuerberatung in etablierten Regionen. Unsere AHK-Mitglieder profitieren zudem von unserem starken Netzwerk vor Ort und dem direkten Draht zur Politik in Deutschland sowie in 92 Gastländern.