„Wir sind froh und stolz, die Region mitgestalten zu können.“

Per Carsten Meyer, geschäftsführender Gesellschafter Willi Meyer Bauunternehmen GmbH
Foto: Willi Meyer Bauunternehmen GmbH

Herr Meyer, was bedeutet das 160-jährige Firmenjubiläum für Sie persönlich?
Es ist zum einen großer Stolz, wenn man auf so eine lange Firmentradition zurückblicken darf. Für mich bedeutet es aber auch innezuhalten und zu hinterfragen, woher kommen wir, wo stehen wir heute und wo wollen wir mit dem Unternehmen zukünftig hin. Ich reflektiere, hole mir Feedback ein und diskutiere mit den Kollegen. 160 Jahre Firmengeschichte sind auch Ausdruck von Vertrauen, das man genießt – denn unternehmerisch haben wir anscheinend vieles richtig gemacht, um solange am Markt zu bestehen. Es waren ja sehr schwere Zeiten, durch die unser Familienunternehmen gehen musste und die Branche hatte auch lange Durststrecken, wenn ich an meine Anfänge denke. Im Großen und Ganzen zählt aber die Zukunft – wir schauen immer nach vorne. Dabei haben wir den Vorteil eines sehr stabilen Fundaments aus erfahrenen Geschäftsführern mit Jens-Peter Carstens, Jörn Franke und Sönke Pickenpack, einem großartigen Mitarbeiterstamm mitumfangreichem Knowhow, langjähriger Erfahrung und einem soliden finanziellem Background. Und selbstverständlich profitieren wir von dem Vertrauen, das unsere Kunden in uns haben, weil sie in uns einen beständigen und zuverlässigen Partner finden. Auf der anderen Seite der Medaille steht aber auch die Verantwortung, die wir durch die Firmenhistorie tragen – Verantwortung für unsere rund 370 Mitarbeiter und deren Familien, für unsere Kunden, für die Partner, für die Region und für die Zukunft des Unternehmens.

Foto: Archivmaterial Willi Meyer Bauunternehmen GmbH

Sie leiten die Unternehmensgruppe Meyer seit 2008 in der fünften Generation. Welche Kindheitserinnerungen verbinden Sie mit dem elterlichen Bauunternehmen?
Ehrlich gesagt, gibt es keine Erinnerungen ohne das Unternehmen – ich bin mit dieser Verbundenheit aufgewachsen. Ich bin spielerisch in die Baubranche reingewachsen und mit dem Bau groß geworden, seit ich ungefähr zwei Jahre alt bin. Ich war schon als Kind immer auf Baustellen, bin mit damaligen Kollegen – deren Kinder zum Teil mittlerweile bei uns arbeiten – in Kontakt gewesen. Und einige Mitarbeiter, die mich noch aus Kindertagen kennen, arbeiten heute noch bei uns. Später habe ich als Jugendlicher meine Ferienjobs im Unternehmen gehabt und viele Tätigkeiten im Hochbau gemacht – Mauern, Einschalen, Ausschalen, Beton gießen oder Gerüste abbauen. Ich weiß daher sehr zu würdigen, was unsere Kollegen auf den Baustellen täglich leisten. „Radlader fahren“ war ein klassischer Jugendtraum, der mir – im Gegensatz zu vielen anderen Klassenkameraden – möglich war.

Foto: Archivmaterial Willi Meyer Bauunternehmen GmbH

Wie hat sich die Baubranche seither verändert?
Selbstverständlich hat sich vieles in der Branche verändert – vom Umgang miteinander, über den technologischen Fortschritt, die Bauweise bis hin zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Schließlich haben wir seit acht Jahren einen Bauboom. Ich kenne das auch noch anders, als ich mir Anfang der 2000er Jahre bei meinen Bewerbungen die Finger wund geschrieben habe, weil Bauunternehmen kaum Studienabsolventen eingestellt haben. Seit 2008 hat sich der Hochbau wieder entwickelt, während die Preissituation im Tiefbau hingegen noch eine schwierige war. Danach hat sich die Baubranche im Allgemeinen positiv verändert. Aber man weiß auch, dass es irgendwann wieder abklingen wird und darauf muss man sich einrichten – es sind halt konjunkturelle Zyklen. Im Vergleich zu der Zeit meines Vaters, haben sich wesentliche Herausforderungen sehr verändert: Heute ist der Termindruck grösser und die Schlagzahl höher, allein schon durch die ständige Erreichbarkeit durch Handy und Mails. Das gepaart mit einer steigenden Komplexität des Bauens und der technischen Anforderungen, die immer umfassender werden. Deswegen wird das Bauen immer kostenintensiver. Gleichzeitig nimmt aber die Qualifikationen bei den Facharbeitern oder Nachunternehmern – vor allem bei den Ausbaugewerken – tendenziell ab. Bei diesen Herausforderungen – also komplexere Anforderungen und steigendes Bauniveau, bei schwächere Ausführungskapazitäten – muss man als Bauunternehmen früh in die Planung miteinbezogen werden, um die Qualität der Ergebnisse zu gewährleisten. Wir haben praktikable Leitdetails (Detaillösungen) und definierten Prozesse entwickelt, damit wir gleichermaßen dem optischen Anspruch der Architekten gerecht werden und für den Bauherrn einen nachhaltigen Erfolg erreichen können. Mit unserem Partnering-Angebot stehen wir unseren Bauherren schon in der Vor-Projektphase als kompetente Instanz zur Seite, um später auftauchende Problemstellungen von vornherein zu vermeiden. Und das in allen Bereichen wo wir tätig sind.

Bei der Nachwuchsfindung geht bei den jungen Leuten leider der Trend weg von der körperlichen Arbeit und insbesondere der Fachkräftemangel ist ein Thema unserer Zeit. Wir beschäftigen uns heute mit Themen, wie der Digitalisierung, um prozessorientierter, produktiver und standardisierter zu denken. Durch solche Herausforderungen machen wir uns zukunftsfähig und können einen Strukturwandel im Unternehmen umsetzen. 

Foto: Thorsten Scherz

Wie leicht wird es sein, in den kommenden Jahren und Jahrzehnten den besonderen Charakter eines Familienunternehmen zu erhalten?
Dies gelingt nur durch die Präsenz und den offenen Dialog mit unseren Mitarbeitern. Ich gehe persönlich auf die Leute zu und versuche Probleme aktiv zu lösen. Es ist wichtig, sichtbar und ansprechbar zu sein. In der Lockdown-Phase – in der viele Kollegen im Homeoffice waren – habe ich beispielsweise Videobotschaften versendet, damit alle wussten, wo wir mit dem Unternehmen stehen, wie die Auftragslage ist und es keinen Grund zur Beunruhigung gibt. Im unternehmerischen Kontext halten wir unser Wachstum organisch und schauen immer darauf, dass es im Einklang mit unserem vorhandenen Fundament steht.

Tauschen Sie sich heute noch mit Ihrem Vater über wichtige Entscheidungen aus und sind Sie sich immer einig?
Mein Vater ist für strategische Entscheidungen ein wichtiger Sparringspartner für mich. Ich greife gerne auf seine Erfahrungen zurück – aber wir sind uns natürlich nicht immer einig. Er stammt aus einer anderen Generation, die vor anderen Herausforderungen stand. Ich muss heute wachstumsorientierter denken und viele Projekte parallel konzipieren – während man damals vielleicht eher Schritt für Schritt agierte. Da gibt es schon unterschiedliche Betrachtungsweisen zwischen ihm und mir, aber wir ergänzen uns sicherlich sehr gut.

Sie haben Kinder, die eines Tages in Ihre Fußstapfen treten könnten. Gibt es bereits familiäre Planungen zur Übernahme durch die 6. Generation?
Es gibt durchaus ein gewisses Interesse unserer Kinder an dem Unternehmen. Das freut uns und erfüllt uns auch mit Stolz. Aber sie sollen und werden ihre eigenen Entscheidungen treffen. Ich bin meinem Vater sehr dankbar, dass ich frei entscheiden konnte und er keinen Druck ausgeübt hat.

Wie wichtig ist der Standort Uelzen für Ihr Unternehmen und was bedeutet Ihnen die Region persönlich?
Unsere Region ist sehr wichtig für uns. Wir liegen geographisch gesehen in der Mitte von vielen Wirtschaftszentren mit interessanten Märkten und Teilmärkten, an denen wir weitere Standorte haben. Wir sind froh und stolz, die Region mitgestalten zu können. Unser Unternehmen, die Mitarbeiter sowie die Familien sind hier verwurzelt und die 160-jährige Historie ist hier zuhause.

Foto: Thorsten Scherz

Welches sind die größten Herausforderungen für Ihr Unternehmen bis zum 170-jährigen Firmenjubiläum?
Die Digitalisierung und der Fachkräftebedarf werden weiterhin wichtige Themen dieser Dekade sein. Als modernes Unternehmen mit einer lebendigen Unternehmenskultur haben wir diese Herausforderungen bereits angenommen. Dem steigenden Bedarf an kompetenten Kollegen lösen wir mit gezielter Persönlichkeitsentwicklung – wir fördern und fordern unsere Mitarbeiter, weil wir ihre Potentiale sehen und brauchen. Wir haben auch viele neue Kollegen gewinnen können, die einen digitalen Fokus haben. Wir treiben innovative Themen, wie „Building Information Modeling“ (BIM), Prozessmanagement und Lean Management voran. Wir entwickeln neue Produkte, setzen auf digitale Arbeitsmittel und überdenken Arbeitsweisen, um unsere Produktivität zu steigern.