Zehn Generationen für den guten Schuh

Margarete Höber-Läer in ihrem Schuhhaus
Foto: Philipp Schulze / phs-foto.de
Am 14. Juli wird das Schuhhaus Höber in Uelzen 350 Jahre alt. Seit 2009 führt Margarete Höber-Läer die Geschäfte des Unternehmens.

Was haben sie nicht alles überstanden: Den schweren Stadtbrand von Uelzen anno 1826, zwei Weltkriege, die Wirtschaftskrise 2008. „Also werden wir das hier auch noch schaffen“, sagt Margarete Höber-Läer. Das klingt eher ein wenig trotzig als gelassen, denn die Geschäftsführerin der Höber-Schuhgeschäfte macht kein Geheimnis daraus, dass die Folgen der Corona-Pandemie sie in den letzten Monaten gefordert haben wie nie zuvor: „Ich liebe und lebe meinen Job, der mir wirklich sehr viel Spaß macht. Aber zeitweise war ich am Limit. Es fühlt sich manchmal an, als ob wir wieder bei null anfangen.“

Dabei liegt das Jahr Null schon beachtliche 350 Jahre zurück. Im Jahr 1670 hatte sich der Schuhmacher Nicolas Höber in Uelzen niedergelassen. Die Schuhe, die er in eigener Werkstatt fertigte, verkaufte er damals auf den Märkten der Umgebung. Die Nachfahren bauten den Handel mit industriell gefertigter Ware aus. In den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts machte Gerhard Höber das Unternehmen fit für die Zukunft: Die Werkstatt wurde aufgegeben, das Ladengeschäft modernisiert und erweitert. Als Franchise-Partner eröffnete Höber in Uelzen die erste Quick-Schuh-Filiale.  

Seit 2009 trägt nun Margarete Höber-Läer ein Erbe, das im Einzelhandel extrem selten ist: Seit zehn Generationen kleidet die Familie Höber ganze Familien mit Schuhen ein. „Wir sind auf jeden Fall das älteste familiengeführte Schuhgeschäft Norddeutschlands“, sagt die 38-Jährige. Das weiß sie auch deshalb so genau, weil sie das zweitälteste 2019 in Winsen übernommen hat. Das Unternehmen ist damit erneut gewachsen: Mit den Niederlassungen in Bad Bevensen und Bienenbüttel zählen zum Stammhaus nun sechs Filialen mit 38 Mitarbeitern.

Dass sie sich durchbeißen kann, hat Margarete Höber-Läer früh bewiesen. Mit gerade einmal 22 Jahren war sie 2004 als Assistentin der Geschäftsführung bei Höber eingestiegen: „Ich habe in der Stellenanzeige die Angabe „ab 35 Jahren“ einfach ignoriert“, sagt sie schmunzelnd. Das Ehepaar Höber übertrug der gelernten Bürokauffrau, die sich parallel zur Handelsfachwirtin weiterqualifizierte, schnell immer mehr Verantwortung. „Es hat fachlich und menschlich einfach gut gepasst.“

Dazu passte auch der nächste Schritt: Der schwer erkrankte, kinderlose Gerhard Höber und seine Ehefrau adoptierten die junge Assistentin. Damit ging nach dessen Tod 2009 die Fortführung der Familientradition in die Verantwortung der Adoptivtochter über. „Es war gar nicht so eine große Sache für mich“, sagt sie heute. „Wir hatten ohnehin ein sehr familiäres Verhältnis. Insofern war es eine plausible Entscheidung. Und ich bewundere ihn bis heute dafür, wie er das alles organisiert hat.“

Sorge, dass die 350 Jahre zur schweren Bürde werden könnten, hat sich Margarete Höber-Läer nie gemacht: „Dafür bin ich zu sehr der Macher-Typ. Die Familiengeschichte ist mir zwar wichtig, aber ich gucke nach vorn.“ Geschickt verknüpft sie dabei Tradition mit Innovation: So wird in den Höber-Geschäften schon immer großer Wert auf eine gute Beratung gelegt: „Ich bin froh, dass wir viele langjährig Beschäftigte haben, die sich sehr kompetent um die Kundenwünsche kümmern.“ Die ganz eigene Handschrift der Chefin lässt sich etwa in der neuen Höber-Filiale in Winsen ablesen, die sich nach dem Umbau zugleich stylisch und gemütlich präsentiert: „Ich bin ja selbst so. Wenn ich in ein Geschäft eintrete, möchte ich mich dort wohlfühlen. Das Ambiente muss stimmen.“

Vor einigen Jahren ist auch Ehemann Niko Läer in das Unternehmen eingestiegen. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes habe sich das als „familienkompatible Lösung“ erwiesen, sagt Margarete Höber-Läer. Nicht nur die Familie profitierte: Niko Läer entwickelte das Konzept für den Höber-Onlineshop, der heute schon rund 20 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet.

Wäre Corona nicht dazwischen gegrätscht, hätte Margarete Höber-Läer im Jubiläumsjahr also so richtig durchstarten können. Stattdessen musste sie Kurzarbeit anmelden, Darlehen zur Überbrückung beantragen und schweren Herzens die geplanten Jubiläums-Wochen mit vielen Aktionen absagen. „Unsere Kunden sind wirklich sehr verständnisvoll und auch sehr treu“, sagt sie dankbar. „Allerdings werden wir eine lange Erholungszeit brauchen, in der wir die Kosten für den Lockdown noch mit erwirtschaften müssen.“ Gefeiert wird dann eben im nächsten Jahr – bei 350 Jahren kommt es auf ein Jahr mehr schließlich nicht an.