Zollfrei zur Auslandsmesse

Person hält Weltkarte in Händen
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Auslandsmessen sind der erste Schritt in einen neuen Markt. Mittelständler transportieren Ausstellungsstücke in ferne Länder, um sie dort auszustellen. Für die Einfuhr fallen dank des Zollpassierscheinhefts Carnet A.T.A. weder Zollgebühren noch Mehrwertsteuer an. Doch einige rechtliche Fallstricke sind dabei zu beachten.

Was ist das Carnet A.T.A.?
Carnet A.T.A. ist ein Zollpassierscheinheft, mit dem die Behörden die Ausfuhr und die Wiedereinfuhr in einen der Vertragsstaaten nahezu formlos abwickeln. Das Einreichen der üblichen Exportdokumente ist nicht nötig.

Wie funktioniert die Carnet-Nutzung?
Mit der Serien- oder Gerätenummer registriert eine Firma ihre Waren für die Carnet-Ausfuhr. Die Auflistung von Erkennungsmerkmalen oder das Anbringen eines Siegels helfen dem Zoll bei der Zuordnung der Waren – der sogenannten Nämlichkeitssicherung. Auf dem Rückweg kontrollieren die Zollbeamten, ob die Ware der vorübergehend ausgeführten entspricht. Beides vermerken sie auf den entsprechenden Scheinen im Carnet-Heft.

Wer stellt es aus?
Rechtliche Grundlage für das Carnet A.T.A. ist eine internationale Kette von bürgenden Institutionen und Verbänden. Sie haften selbstschuldnerisch gegenüber der Zollverwaltung des Bestimmungslandes dafür, dass eventuell fällige Einfuhrabgaben gezahlt werden. In Deutschland übernimmt diese Funktion der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). In seinem Namen stellen die örtlich zuständigen IHKs die Carnet-Papiere zusammen.

Was kostet die Ausstellung?
Für die Ausstellung des Carnet A.T.A. berechnet unsere IHK 35 Euro für Mitglieder und 50 Euro für Nicht-Mitglieder. Hinzu kommt die Prämie für die Versicherung über Euler Hermes, mit der sich unsere IHK gegen das Risiko absichert, dass die Ware das Zielland doch nicht mehr verlässt. Die Versicherungsprämie ist abhängig vom Warenwert. Für Güter mit einem Wert zwischen 25.000 und 50.000 Euro liegt sie bei etwa 110 Euro. Die Zollamt-Abfertigung ist gebührenfrei.

Wo gilt das Carnet A.T.A.?
Nutzen können deutsche Firmen das Carnet A.T.A. für vorübergehende Ausfuhren in 77 Vertragsstaaten, beispielsweise nach China, Indien, Südafrika und die Türkei. Auch der Transit durch mehrere dieser Vertragsstaaten ist mit dem Carnet abgedeckt. 

Für welche Waren ist es anwendbar?
Sämtliche Arten von Warenmustern, Berufsausrüstungen oder Ausstellungsgütern für Messen lassen sich mit einem Carnet A.T.A. vorübergehend exportieren. Wichtig: Das Carnet A.T.A. befreit nur Waren von Zollkosten, die nach der Messe wieder ins Heimatland der Firma zurückkehren. Vor Ort verteilte Give-aways müssen ganz normal durch den Zoll gehen.

Wie lange ist das Carnet A.T.A. gültig?
Üblicherweise wird ein Carnet A.T.A. für die Dauer eines Jahres ausgestellt. In dieser Zeit können die gleichen Waren beliebig oft in sämtliche Vertragsstaaten aus- und wiedereingeführt werden.

Was passiert bei einer Fristüberschreitung?
Die Verantwortung dafür, dass die Ausstellungsgüter fristgerecht zurück nach Deutschland gelangen, liegt bei der versendenden Firma. Sollte sie das nicht schaffen, läuft die internationale Bürgenkette an. Als erstes wendet der Zoll des Messelandes sich an den in seinem Land ansässigen Bürgen – in Indien etwas ist das die Handelskammervereinigung. Sie kontaktiert dann den DIHK, der im Namen der deutschen Firma zunächst die Kosten begleichen muss. Dabei fallen die Einfuhrzölle und Mehrwertsteuer an. Manche Staaten verlangen darüber hinaus Bearbeitungs-, Bereinigungs-, Nichterledigungs- und Beschlagnahmegebühren, Bußgelder und Zollstrafen. Der Versicherer Euler Hermes versucht nach der Leistung der Zahlung, sich die Kosten von der Firma zurückzuholen.

Wie funktioniert der Transit durch Drittstaaten?
Der Transit durch Carnet-Vertragsstaaten ist problemlos möglich. An jeder Grenze vermerkt der Zöllner die Ein- und Ausfuhr im Carnet-Heft. Unternehmen sollten schon vorher planen, wie viele Ein- und Ausfuhren es tatsächlich werden. Denn je nach Anzahl der Verwendungs- oder Durchfuhrstaaten stellt unsere IHK das Carnet-Heft individuell zusammen. Wenn die Ware auf dem Weg ins Bestimmungsland durch einen Nicht-Vertragsstaat transportiert werden muss, gelten an dessen Grenze die normalen Zollformalitäten.

Was ist für den Rückweg wichtig?
Die vorübergehend exportierten Waren müssen unverändert wieder in Deutschland eintreffen. Wenn eine Maschine auf dem Transport herunterfällt oder ein Messegast ein Warenmuster beschädigt, könnte das die Nämlichkeitskontrolle auf dem Rückweg behindern. Unvorhergesehene Reparaturen oder technische Anpassungen sollten Unternehmer vorher mit dem Zollamt absprechen, um nicht in Zollschuld zu stehen.

Was, wenn ein Messebesucher die Ausstellungsware kaufen will?
Falls die Waren im Ausland bleiben sollen, muss die ausführende Firma für die Waren nachträglich eine Ausfuhranmeldung beim deutschen Zoll einreichen. Auch im Zielland muss sie sie verzollen und die entsprechenden Abgaben entrichten. Viele Messen haben dafür einen Zöllner vor Ort.