Zusammenhalten in der Krise

Illustration zeige Kaffeetasse und Käsekuchen, eine Hand mit Desinfektionsspray und einen Einkaufswagen.
Illustration: finelittlepaper, Sandra Becker-Borrée
In Lüneburg sind die Sandpassage Tschorn und ihr Mieter, Café-Betreiber Christoph Meyer eine Kooperation eingegangen, die zusammenschweißt.

Ein Aushang informierte am Eingang der „Meyerei Lüneburg“ am Sande Passanten darüber, dass die Räumlichkeiten als Pausenraum für Mitarbeiter der Sandpassage nebenan genutzt werden: „Es ist kein Publikumsverkehr zugelassen.“ Um die Weiterverbreitung des neuartigen Corona-Virus einzudämmen, mussten nach Erlass des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums vom 20. März Restaurants und Cafés schließen. „Meyerei“-Inhaber Christoph Meyer bedauerte den Schritt sehr, auf der Facebook-Seite seines Cafés schrieb er: „Ich kann mir gerade nicht vorstellen, nach 2,5 Jahren Vollgas mit und für Euch, morgen früh nicht in die tägliche Vorbereitung zu gehen…“

Eine Kooperation, die ihresgleichen sucht

Nicht zu wissen, wie und vor allem wann es weitergeht, schürte Existenzangst. „Immerhin hatte ich nicht viel Zeit, groß darüber nachzudenken“, sagt Meyer. Gleich zu Beginn der vor allem für kleine Geschäfte schwie­rigen Phase entschloss er sich zusammen mit dem Vermieter seiner Räumlichkeiten – der benachbarten Sandpassage Tschorn GmbH & Co. KG – zu einem ungewöhnlichen Schritt.

„Mit sehr viel Herz und Humor“, heißt es von Tschorn, übte Meyer „den harten Job der Einlassbeschränkungs-Kon­trolle“ für die Sandpassage aus. Er achtete darauf, dass sich nicht zu viele Kunden gleichzeitig im Supermarkt aufhielten, verteilte und desinfizierte Einkaufswagen – und sorgte nicht zuletzt für gute Stimmung. Sieben Wochen lang macht er den Job, von morgens halb neun bis abends halb sieben.

Kein Interesse, die Meyerei zu verlieren

Auch bei den Mietkosten kam die Familie Tschorn Gastronom Meyer sehr entgegen. „Uns war schnell klar, dass bei keinem Umsatz natürlich auch keine Miete fließen kann“, so Katrin Wellmann von der Sandpassage. Seit 2017 betreibt Meyer seine Café Am Sande 8. Man habe „überhaupt kein Interesse daran gehabt, ihn und die beliebte Meyerei zu verlieren“.

Für die Pausenraum-Nutzung wurden die Räumlichkeiten deshalb „zurückgemietet“. „Für uns alle eine sehr gute Regelung“, findet Wellmann. „Herr Meyer wollte als Dankeschön für den Mieterlass kostenlos bei uns arbeiten, aber wir haben ihn überreden können, uns seine Stunden in Rechnung zu stellen. Wir möchten uns nicht an seiner unverschuldet misslichen Situation bereichern.“ Man hoffe, die Meyerei so vor der Insolvenz zu retten. Der Café-Betreiber weiß das zu schätzen: „Wir haben schon vorher gut zusammengearbeitet, aber das war für mich nochmal wie ein Sechser im Lotto.“